Jesus als Wickelkind und Bräutigam

Jesus als Wickelkind und Bräutigam

Freising. Für kinderlose Klosterfrauen hatte das Geheimnis der Menschwerdung von Gottes Sohn eine ganz emotionale Bedeutung. „Das hat zu liebevollen und oft aufwändigen Inszenierungen des persönlichen ,Trösterleins’ geführt“, erklärt Christoph Kürzeder.

Er ist Direktor des Diözesanmuseums Freising. Dort widmet sich eine außergewöhnliche Ausstellung dem Jesuskind in Bayerns Frauenklöstern. Die meisten der 200 Ausstellungsstücke wurden aus Klöstern abgeholt und sind erstmals öffentlich zu sehen.

Vom Spätmittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte in vielen Frauenklöstern eine Jesuskindfigur zur Mitgift, die die Nonne von ihrer Familie am Tag ihres Klostereintritts bekam. Beim Ablegen der ewigen Gelübde während der Professfeier, in der die Klosterfrau als Braut Christi in die Ordensgemeinschaft aufgenommen wird, spielte sie eine wichtige Rolle. Sie vertrat den himmlischen Bräutigam.

Dieses mystische Brautverständnis geht zurück auf die Auslegung des alttestamentlichen Hoheliedes durch Bernhard von Clairvaux (1090-1153). Den liebevoll erotischen Dialog zwischen Braut und Bräutigam übertrug er auf das Verhältnis zwischen Christus und den nach Erlösung sehnenden menschlichen Seelen.

Die Bräute Christi strebten nach der geheimnisvollen Vereinigung der Seele mit Gott. Ihre Jesuleinfiguren bezeichneten sie auch als „Seelenkind“. Sie erzählen von der innigen Beziehung zum göttlichen Kind. Es wurde liebevoll umsorgt, war Mitbewohner der Klosterzelle, diente als persönliches Andachtbild und begleitete die Ordensfrauen durch das ganze Klosterleben.

Normalerweise waren die Christkindfiguren mit echten Kleidungsstücken angetan. Ausgestellt sind Hemdchen aus Leinen, Strümpfe und Schuhe sowie prächtige Kleidchen, sorgsam bestickt mit Gold- und Silberfäden, geschmückt mit Perlen und Glassteinen.

Ein besonderer Blickfang ist das mit lebensnaher Wachsmodellierung des Gesichts aufwartende „Fatschenkind“ (Wickelkind) in einer echten Holzwiege (18. Jh.). Es weist darauf hin, dass es in den Frauenklöstern Sitte war, das „Neugeborene“ zu wickeln, in der Krippe anzubeten und mit Wiegenliedern in den Schlaf zu singen. Über die Wiege ist ein vergoldeter Glasschrein gestülpt. Das erinnert an eine Aufbahrung und verweist somit auf den Erlösertod Christi.

Bis 10. Februar, Diözesanmuseum Freising, Domberg 21. Tel.: 08161-48790, www.dimu-freising.de, Katalog 35 Euro

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