Jetzt dröhnen die Drohnen: Muse und das neue Konzeptalbum „Drones“

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Sie sind Muse: (von links) Chris Wolstenholme, Matt Bellamy und Dominic Howard.

Vom Wehklagen über gescheiterte Liebschaften bis zum Anklagen des Drohnenkriegs: Muse haben einen langen Weg hinter sich. Doch mit dem Weltruhm ist das so eine Sache.

Gegründet 1994 als Kleinstadt-Band in Südengland, bekanntgeworden als Vorgruppe im internationalen Tournee-Zirkus, durchgestartet mit facettenreichem Rock, der eine eingeschworene Fan-Gemeinde in immer größere Arenen lockte - nur um dann eines Tages die Charts aufzumischen und heißer Kandidat für den Soundtrack des nächsten James-Bond-Films zu werden?

Der Aufstieg des Trios vom Geheimtipp zum globalen Pop-Ereignis folgt der Logik der Musikindustrie. Aber Muse hatten zuletzt selbst gespürt, dass eine Grenze erreicht war. Anhänger aus den alten Zeiten gerieten bei jüngeren Stücken mitunter ins Stirnrunzeln. Vieles kam weiter wuchtig, aber glatter daher. Nun will der kreative Kopf Matt Bellamy mit seinen Kollegen Chris Wolstenholme und Dom Howard den Stil entschlacken. Das neue Album „Drones“ soll den Klang und die Arbeitsweise, mit denen die Band groß wurde, wieder ins Zentrum rücken.

Muse wagen sich bei ihrem Schritt zurück auf komplexes Terrain. „Wenn Menschen das Vertrauen in sich verlieren und entscheiden, lieber keine Gefühle mehr zu haben, werden sie zur leichten Beute für das Böse“, umreißt Bellamy das schwierige Thema. Es ist eine Mischung aus Orwell’ schem Alptraum und düsterem Entwicklungsroman: Der unsichere Held lässt sich als willfährige „menschliche Drohne“ vereinnahmen, verliert seine Seele. Am Ende jedoch begehrt er gegen seine Unterdrücker auf.

Musikalisch ist „Drones“ kein pures Rock-Opus. In Form gebracht von AC/DC-Produzent Mutt Lange, finden sich weniger elektronische und klassische Klänge als auf dem Vorgängeralbum „The 2nd Law“ (2012). Vielerorts kommen wieder tiefe und schnelle Gitarren, geradlinige Beats und auch der Muse-typische, stark verzerrte Bass durch.

Zugleich wird experimentiert mit Elektropop, Chorälen, sakralen Tonteppichen. Doch Muse wären nicht Muse, wüssten sie ihre neue Ernsthaftigkeit nicht in einen großen Kontext zu rücken. „Die Top-40-Musik in den USA handelt praktisch nur von egozentrischem Benehmen“, schimpft Bellamy.

Da mutet es durchaus verdienstvoll an, gegen das Absterben des Mitgefühls mit missionarischer Verve anzusingen - und dabei ein Rock-Hörbuch vorzulegen, das sich gegen die Musik-Rosinenpickerei im Internet wendet. Howard: „Wenn wir schon ein Album machen, dann eines, das man von Anfang bis Ende hören muss, damit es Sinn ergibt.“ (dpa)

Muse: Drones. Warner Music International.

Wertung: 4 von 5

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