Volle Punktzahl fürs neue Album

Jetzt knallt's richtig: Die verrückte Band Deichkind

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Immer für einen Spaß zu haben: Drei Deichkind-Mitglieder in typischen Verkleidungen. Auch ihr neues Album klingt nach HipHop, Techno und Punk.

Ihre Konzerte sind wilde Partys, und auch das neue Album "Niveau Weshalb Warum" knallt voll. Dabei sind die Mitglieder der Band Deichkind ganz schüchterne Menschen. Ein Porträt.

Deutschlands verrückteste Band ist eine gespaltene Persönlichkeit. Auf Konzerten zeigen die Mitglieder der Techno-Rap-Formation Deichkind ihre blanken Hintern, sie verkleiden sich in Müllsäcken, fahren mit dem Schlauchboot über die wogende Menge und lassen Leitungen mit Freibier ins Publikum legen. Doch Philipp Grütering, einer von drei MCs sagt: „Wir sind alle recht introvertierte und schüchterne Menschen.“

Wenn man mit dem 40-Jährigen telefoniert, kann man sich nicht vorstellen, dass er als Kriptik Joe 15 000 Fans zum Ausrasten bringt. Freunde, die ihn auf der Bühne erlebt haben, sagen später zu ihm: „So kennen wir dich gar nicht.“

Auch das Gesicht von Grütering kennen nicht viele auf der Straße. Er und die anderen Deichkinder verstecken sich hinter Pyramiden und ähnlich irren Verkleidungen. Das hat den Vorteil, dass die 1997 gegründete Band wohl auch den jüngsten Hype um sich überstehen wird. Gerade ist das sechste Deichkind-Album erschienen. „Niveau Weshalb Warum“ knallt voll rein - Fans und Kritiker sind aus dem Häuschen wie noch nie.

Deichkind, die einst in Hamburg mit spaßigem Prollrap begonnen haben, vereinen nun die wichtigsten Jugendbwegungen HipHop, Techno und Punk. Wilde Elektropeitschen treffen auf pumpende Beats und wütende Vocals. Es ist extrem körperliche Musik, die zugleich das Hirn anspricht.

Die neuen Songs beschäftigen sich mit dem Internet („Like mich am Arsch“) und der Individualisierung („Hauptsache nichts mit Menschen“). Der Albumtitel spielt auf die „Sesamstraße“ an. Ein Stück beschreibt das Ende der Welt: „Alle Straßen sind geteert, Gelsenkirchen liegt am Meer, in Grönland wachsen Palmen, alle Groschen sind gefallen.“

Mit Deichkind kann man Party und Politik machen. Das ist große Kunst. Dabei hat die Band mit Kunst nicht viel am Hut, wie Grütering sagt. Das größtenteils in Berlin lebende Quartett, hinter dem ein ganzes Team steht, besteht aus Dinkels und Kapitalos: Die Dinkels ernähren sich vegetarisch, meiden Smartphones und gehen niemals zu Burger King. Die Kapitalos leben hedonistisch. Grützering gehört mal zu den einen, mal zu den anderen: „Wir reiben uns daran, das ist das Spannende.“

Deichkind charakterisiert er als zweifelnde Band: „Wir fragen uns immer, ob wir talentiert sind.“ Trotzdem haben die Musiker nun ihre eigene Plattenfirma gegründet. Benannt haben sie Sultan Günther Music nach einem Dromedar, das sie 2012 während des Serengeti-Festivals im Safaripark in Stukenbrock taufen durften.

Das klingt ebenso gaga wie die Idee für die anstehende Tour. Dort treten Grütering und Co. in Smartphone-Smokings auf. 5000 Handys lassen sie sich auf Kostüme nähen. Fans können Deichkind während des Konzerts Nachrichten senden, und alles wird blinken.

Deichkind: Niveau Weshalb Warum (Sultan Günther Music). Wertung: fünf von fünf Sternen

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