Die Einrichtung der Neuen Galerie liegt knapp drei Wochen vor der Wiedereröffnung im Zeitplan

Jetzt muss der Staub weg

Museum im Aufbau: Das Rupprecht-Geiger-Gemälde (das größte in der Neuen Galerie) hängt bereits, davor lehnt ein Fritz-Winter-Bild.

Kassel. Vor Eröffnung der meisten Kunstausstellungen ist es so, dass bis zur letzten Minute auf Hochtouren gearbeitet wird: Am Eingang werden Journalisten zum Presserundgang gebeten, während Handwerker, Hausmeister, Techniker durch den Hinterausgang verschwinden. Gemessen daran, ist die Einrichtung der für 23 Mio. Euro sanierten Neuen Galerie erstaunlich weit gediehen. Alles im Zeitplan, freut sich Dr. Marianne Heinz, Leiterin der Neuen Galerie, die zum Jahresende in den Ruhestand tritt (siehe Kasten).

Manche Gemälde sind noch verpackt, behutsam an die Wände gelehnt; einige Holzkisten stehen bereit, um ausgepackt zu werden. Hier steht ein Staubsauger, dort werden gerade Skulpturen gründlich abgewaschen und vom Staub von Jahrzehnten befreit.

Die Bilder der Willingshäuser Malerkolonie, wie Bantzers „Waldspaziergang“, sind zu den Wänden gedreht, weil die vor zu viel Lichteinstrahlung schützenden Rollos fehlen. Ecke Bonks Arbeit zum Deutschen Wörterbuch, die auf der Documenta11 zu sehen war, ist noch eingepackt, das Boot aus Kanistern von Romuald Hazoumé aus Roger M. Buergels Aue-Pavillon von 2007 steht schon. Überall zeigen Messgeräte die Luftfeuchtigkeit an, um die neue Klimatisierung einzupegeln. Die allermeisten Bilder jedoch hängen, wenngleich noch ohne Beschilderung. Der Kassenbereich sieht aus, als könne er jederzeit in Betrieb gehen. Katalog und Audio-Guide werden rechtzeitig fertig. Ai-Weiwei-Stühle von der documenta 12 werden als Sitzgruppe für Besucher aufgestellt.

Der erste Eindruck, wenige Wochen vor Eröffnung: Mehr Licht, mehr Raum, sinnvollere, zudem behindertengerechte Zugänge, mehr Wechselausstellungsfläche - all das haben die Architekten vom Büro Volker Staab eingelöst. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das helle Grau, das das rundum sanierte Gebäude prägt. Aber es hat ein großzügiges Foyer samt Shop bekommen, Lichtschächte ziehen sich über drei Stockwerke, die großzügigen Oberlichtsäle sind spektakulär, die Loggia genannte Wandelhalle mit Aue-Blick wird künftig eine der schönsten Kassel-Perspektiven bieten.

Die spezifische Kasseler Perspektive gilt weiterhin auch für die inhaltliche Präsentation: Kunstgeschichte wird im Spiegel der staatlichen und städtischen Sammlung erzählt. Doch Vertrautes hängt künftig an neuen Plätzen, ob Rohdens Tageszeiten-Zyklus oder Richters Bode-Porträt, ob die Corinths oder die Pop-Art. Unverändert ist der Beuys-Raum als Herzstück des Museums: Er ist unangetastet geblieben.

Eröffnung am 24.11. mit einem Festakt für geladene Gäste. Am Freitag, 25.11., 10 bis 20 Uhr, ist Tag der offenen Tür (freier Eintritt und kostenlose Führungen zu jeder vollen Stunde).

Von Mark-Christian von Busse

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