Die Big Band der Uni Kassel begeisterte mit einem vielseitigen Musikprogramm im Theaterstübchen

Jimi Hendrix wird zum Lehrstoff

Ein Auftritt voller Höhepunkte: Die Big Band der Uni Kassel beim Auftritt im Theaterstübchen. Foto: Fischer

Kassel. Wäre das Theaterstübchen ein Dampfer, wäre dieser beim Abschlusskonzert der Big Band der Universität Kassel am Montagabend abgesoffen. Mit Schlag rechts gekentert wie eine überladene Fähre. Denn auf dieser Seite saßen über zwanzig wild entschlossene Holz- und Blechbläser vor ihren Notenständern und versorgten den Klangkörper mit kühnen Arrangements, während man auf der anderen Seite zwischen Bassist, Keyboarder und Gitarrist noch ein paar Liegestühle hätte aufbauen können.

Aber das Theaterstübchen ist ein Liveclub, der schon längst die Balance zwischen Weltstar und begeistertem Amateur gefunden hat und jedem eine Plattform der Präsentation bieten kann. Diesmal trafen Rock auf Jazz, E-Gitarre auf Posaune, Underground auf Hörsaal, Spontaneität auf Konzept. Oder, wie es der stimmlich leicht angeschlagene Bandleader Detlef Landeck formulierte: LSD auf DSL.

Man hatte sich Kompositionen des 1970 verstorbenen Ausnahmegitarristen Jimi Hendrix auf die Agenda gesetzt und orientierte sich dabei an den Bearbeitungen der WDR Big Band und dem Arrangeur Bernd Lechtenfeld.

Bevor es richtig zur Sache ging, glänzte Verena Krack beim kollegialen Aufwärmen mit Freddy Hubbards „Red Clay“ als ausdrucksstarke Vokalistin.

Dann kam die Sternstunde des Gitarristen Vincent Wolf. Den direkten Vergleich mit Hendrix gestaltete er bei „Voodoo Child“ souverän und auf seine ganz eigene Art.

Er beherrschte die Technik der Rückkopplung und des Verzerrens und bescherte den vielen Studenten im Publikum rockige Sololicks zum Headbangen. Sven Knöppel an der E-Posaune, Bene Schubal als sicherer Rhythmusgeber am Schlagzeug und Bluesröhre Philipp Schleicher sorgten für weitere Höhepunkte in einem Programm, bei dem durchaus auch einige sympathische Patzer zu hören waren.

Mit Doro Proschko als bühnenerfahrener Soullady und dem Kasseler Jazzprofi Urban Beyer an der Trompete konnte man zudem zwei Stars aufbieten.

Detlef Landeck hatte sich als musikalischer Leiter die Aufgabe gesetzt, die Big Band aus der Uni in das reale Clubleben zu führen und so den akademischen Lernprozess mit der Realität zu konfrontieren. Ein viel bejubeltes und gelungenes Anliegen.

Von Andreas Köthe

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