Maria Hellwig: Die Jodelkönigin der Deutschen ist tot

Unzertrennlich: Maria (links) und ihre Tochter Margot Hellwig im Jahr 2007. Foto: dpa

Die Krone der Volksmusik für ihr Lebenswerk hat Maria Hellwig gleich zweimal bekommen, 1998 und im Januar 2010. Die 90-Jährige, die am späten Freitagabend in Ruhpolding gestorben ist, war mit fast 200 Platten und über 500 Fernsehshows nicht nur eine der erfolgreichsten Volksmusiksängerinnen, sondern deutsche Botschafterin in der Welt.

Und das, seit sie 1959 mit Max Greger auf Russland-Tournee gegangen war. In den USA, Kanada und Japan wurde die „Jodelkönigin“, die seit 1963 mit Tochter Margot im Duo auftrat, gefeiert.

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Maria Hellwig (90) ist tot

2006 waren die Hellwigs nochmal beim Grand Prix der Volksmusik an den Start gegangen, genau 20 Jahre nach ihrem Auftritt mit „Der Kaiser von Tirol“, diesmal mit dem Lied „Unser tägliches Brot ist Musik“. Kein Titel dürfte treffender sein für eine Frau, die auch eine unerhörte Disziplin auszeichnete. „Meine Mutter jammert nicht“, sagte Tochter Margot mal. Sie wolle ein Zeichen setzen, dass Menschen auch im hohen Alter noch aktiv sein können, so Maria Hellwigs Devise: „Ich bleibe auf der Bühne, solange ich mich zum Walzer drehen kann und die Leute mich mögen.“

Trotz mehrerer Stürze, eines Herzinfarkts und eines Augeninfarkts, der sie fast erblinden ließ, stand die 90-Jährige bis in den Spätsommer auf der Bühne. Starke Rückenschmerzen hielten sie am 22. Februar nicht davon ab, sich in ihrer Café-Bar „Kuhstall“ in Reit im Winkl zum 90. feiern zu lassen. In ihrem Geburtsort wird sie auch ihre letzte Ruhestätte finden.

Die musikalische Laufbahn fiel der Tochter eines Elektromeisters nicht zu. Mit fünf hatte sie auf der Bühne des heimischen Bauerntheaters gestanden. Sie absolvierte eine Lehre als Verkäuferin, ihr erster Mann Sepp Fischer - Margots Vater - fiel als Soldat in Russland. Ein erstes Engagement hatte sie ab 1946 an der Hamburger Volksoper, ehe sie mit ihrem zweiten Mann Addi Hellwig ein Wandertheater gründete. 1957 gab es den ersten Plattenvertrag. Es folgte eine unvergleichliche Karriere, für die TV-Sendungen wie „Die Musik kommt“, „Fahrt ins Blaue“, „Früh übt sich“ und „Servus, Gruezi und Hallo“ stehen. Und egal, welche Show, welcher Sender: Gestrahlt hat Maria Hellwig immer.

Die Deutsche Presse-Agentur zitiert einen Freund der Hellwigs, den Volksmusikanten Thomas Berger, Maria Hellwig sei, geschwächt durch einen schweren Infekt, auf der Intensivstation auch mit einem Lächeln auf den Lippen gestorben: „Ihre letzten Atemzüge waren Gesang.“

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