Johanna Wokalek und der Balthasar-Neumann-Chor beim Kultursommer

Johanna Wokalek

Kaufungen. „Wo diese Musik ist, da ist das Glück“, schrieb die „Badische Zeitung“, als Johanna Wokalek (Rezitation) und der Balthasar-Neumann-Chor, geleitet von Thomas Hengelbrock, ihr Romantik-Programm „Nachtwache“ auf CD veröffentlichten.

Man kann das nur unterstreichen: Mittwochabend präsentierten sie es in der fast vollen Kaufunger Stiftskirche, und auch dieser Auftritt war erhebend, ja beglückend – dem letzten Titel, „Der Mond ist aufgegangen“, folgte atemlose, gebannte Stille, ehe lang anhaltender Applaus losbrach.

Schon im eineinhalbstündigen, klug zusammengestellten Programm – Gedichte von Heine, Eichendorff, Mörike, Rückert oder Novalis, Vertonungen etwa von Brahms, Clara und Robert Schumann, Fanny Hensel, Grieg – hätte man die berühmte Stecknadel fallen hören können, so aufmerksam lauschten die Zuhörer. Die wunderbare Schauspielerin Wokalek trug – ohne jedes persönliche Wort – hinreißend vor. Die 30 Sängerinnen und Sänger in diesem Chor der Extraklasse gaben dem Stürzen der Bäche, Rauschen der Brunnen, Wogen der Wellen und sachtem Schlummer mit feiner Präzision Ausdruck. Die Höhepunkte zuletzt: Regers „Nachtlied“, Rheinbergers „Abendlied“.

Das Schöne ist nur des Schrecklichen Anfang, wie es in der Zugabe aus Rilkes „Duineser Elegien“ hieß? „Ein jeder Engel ist schrecklich“? Nein, dieser Auftritt war nur schön, trotz aller Wehmut der Lyrik, die die „heilige, unaussprechliche“, ersehnte, friedvolle Nacht mit ihrer „Mondes-pracht“ besang, die Nacht, die fern vom „Weltgewühle“ manchmal auch so sternlos, so beängstigend sein kann. Doch in den Abend verabschiedete sich der Chor mit Mendelssohns tröstlichem „Denn er hat seinen Engeln befohlen“.

Kultursommer-Intendantin Maren Matthes hatte in ihrer Begrüßung gesagt, sie habe die Darstellerin und den NDR-Chefdirigenten, die verheiratet und Eltern eines Sohnes sind, sowie den Chor „ganz allein für mich engagiert“. Man kann sie bestens verstehen.

Von Mark-Christian von Busse

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