Johannes Oerding im Kasseler Kulturzelt

Der sympathische Schelm: Johannes Oerding am Sonntagabend im ausverkauften Kasseler Kulturzelt. Foto: Malmus

Kassel. Die Bühne in rot, blau und orange, das Publikum überwiegend weiblich und über 30 Jahre alt: Am Ende waren Johannes Oerding, seine Band und die 900 Besucher im ausverkauften Kulturzelt in Kassel glückselig.

Über zwei Stunden spielte der gebürtige Münsteraner für seine Zuschauer - und sang am Ende im Zuschauerraum mit seinen Fans.

Bei den ersten Schlagzeugschlägen von „Morgen“ singt die erste Zuschauerreihe mit, wenige Minuten später begrüßt Johannes Oerding ein paar Fans mit Handschlag, setzt sich zu ihnen. Da hat er in sein eigenes Stück schon „Uptown Funk“ von Bruno Mars und „Song 2“ von Blur eingebaut. Zum Schluss machen die Besucher im Kulturzelt alles mit, setzen sich auf Oerdings Kommando hin, springen wieder hoch. So wird aus einem dreiminütigen Radiosong eine unterhaltsame Viertelstunde Livemusik.

Angekündigt hatte Oerding zu Beginn als Scherz sechs Stunden Musik, am Ende war das Programm seiner „Alles brennt“-Tour gut zwei Stunden lang. Mit knapp 20 Stücken, ausgedehnten Instrumentensoli, Improvisationen und einem „Nostalgie-Medley“ aus seinen älteren Stücken hatte Oerding am Sonntagabend viel Spaß mit seinem nordhessischen Publikum.

Es sind die Probleme des Alltags, das Zwischenmenschliche und Emotionale, mit dem Oerding seine Fans begeistert. Egal, ob es in „Magneten“ um Unterschiede in einer Beziehung, bei „Morgen“ um den inneren Schweinehund oder in „Nie wieder Alkohol“ und „Traurig aber wahr“ um peinliche Erinnerungen geht - seine Stücke sind nett, brav und selten kantig. Musik zum Wohlfühlen, leicht verträumt und ein bisschen schelmisch.

So wirkt Oerding auch auf der Bühne: Lässig, mit Hut und hochgekrempelter Jacke, während er seine Stücke um Beatbox-Aktionen und Mundtrompete ergänzt oder den Refrain von Amy Winehouses „Rehab“ einleitet. „Die meisten meiner Lieder haben nur drei Akkorde, da kann man quasi alles drübersingen“, witzelt er im Kulturzelt. Diese Offenheit macht ihn sympathisch, dafür erntet er Gelächter und Applaus.

Im Kasseler Kulturzelt war Oerding zuletzt 2013 zu Gast. Darauf kam er auch immer wieder zurück: Er fühle sich hier quasi zuhause, schmeichelte er dem Publikum nach der Hälfte des Konzerts. „Danke, dass es hier soviele Leute gibt, die Bock auf Livemusik haben“, meint er kurz vor Ende des Konzerts, „und nicht sonntags vor dem Fernseher sitzen und Tatort gucken.“

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