Sinfoniekonzert mit Anja Bihlmaier

Jubel für Kasseler Staatsorchester in der Stadthalle

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Souveräner Solist des Abends: Oboist Ramón Ortega Quero.

Kassel. „Gefühl ist alles“, sagt Goethes Faust. Und das hätte als Motto auch über dem Sinfoniekonzert des Staatstheaters am Montagabend in der Kasseler Stadthalle stehen können, denn jedes der vier Werke des Abends lockte den Zuhörer mit Emotionen, mal mit Überwältigung, mal mit Wohl(fühl)klang.

Kassels Erste Kapellmeisterin Anja Bihlmaier durfte für die Programmfolge unter dem Titel „Viva Italia“ aus dem Vollen schöpfen. Und da sie ein Orchester weit über der normalen Stärke zur Verfügung hatte, nutzte sie dies auch aus.

Zu Beginn und am Ende gab es zwei Musterbeispiele für Programmmusik: die beiden sinfonischen Dichtungen „Fontane di Roma“ und „Pini di Roma“ (Römischen Brunnen beziehungsweise Pinien) von Ottorino Respighi. Während die Brunnen noch zurückhaltend plätschern, geben die Pinien an verschiedenen Orten der Ewigen Stadt dem Komponisten Stichworte, die große Geschichte Roms heraufzubeschwören. Auf die Nachtigall, deren Gesang zugespielt wird, wird man in Kassel noch etwas warten müssen.

Gewaltiger Applaus

Bihlmaier hatte die Klangmassen fest im Griff, dirigierte sehr präzise, schmunzelte, tänzelte und schuf so eine Atmosphäre, aus der heraus sich das Orchester als Ganzes und in seinen einzelnen Gruppen prächtig entfalten konnte. Als dann von den hinteren Rängen noch Trompeten und Posaunen hinzugekommen waren und die Steigerung im Finale perfekt machten, brach sich gewaltiger Applaus Bahn.

Zwischen den römischen Reminiszenzen zwei Stücke aus den letzten fünf Jahren. In „Liguria“ malt die schwedische Komponistin Andrea Tarrodi eine Wanderung durch die Cinque Terre, die fünf berühmten Dörfer an der ligurischen Küste, nach, flirrend-mediterrane Gefühligkeit, vorhersehbar, aber gut instrumentiert.

Hatte das Staatsorchester gut im Griff: Erste Kapellmeisterin Anja Bihlmaier.

Solist des Abends war der Spanier Ramón Ortega Quero, der mit seiner Oboe den Solopart in „Legacy“ (Erbe) seines Landsmanns Oscar Navarro spielte, auch dies ein zurückschauendes Stück, das mit dem Riesenorchester Epochen und Stile aufblitzen und wieder abtauchen lässt. Vor allem aber bot es dem Oboisten, dem „Legacy“ gewidmet ist, Gelegenheit, zu zeigen, was mit seinem Instrument möglich ist. Auswendig und ohne die geringsten Anzeichen von Anstrengung spielte er das abwechslungsreiche Stück. Auch für ihn gab es riesigen Beifall, für den er sich mit einer Zugabe bedankte: der „Bourrée anglaise“ aus Johann Sebastian Bachs Partita für Flöte BWV 1013.

Von Johannes Mundry

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