Jubelstürme für Frieda Braun beim Sommer im Park

Es war ein denkwürdiger Abend - nicht nur wegen eines schweren Gewitters genau in der Pause. Frieda Braun sorgte beim Festival in Vellmar für Lachsalven und viel Beifall.

Vellmar. Als Kritiker hat man es bei Auftritten von Frieda Braun leicht. Lachsalven und Beifallsstürme des Publikums sind so langanhaltend und intensiv, dass man ihre Späße wunderbar notieren kann. So auch Sonntagabend in Vellmar, wo beim Sommer im Park fast 800 Besucher der Hausfrau aus dem Sauerland zujubelten – jener Bühnenfigur, die die Kabarettistin Karin Berkenkopf geschaffen hat.

Es war ein denkwürdiger Abend, auch wegen des heftigen Gewitters, das genau zur Pause über dem Festivalgelände niederging. Der Wind peitschte den Regen bis in die Gastronomie-Zelte, wo dicht gedrängt das Publikum wartete. Blumenkübel und Sonnenschirme drohten umzukippen oder aus der Verankerung gerissen zu werden. Es ging aber alles gut, Teil zwei konnte ungestört über die Bühne gehen.

Aber was heißt hier „gehen“. Frieda Braun gestikuliert, hüpft, wagt manch kessen Hüftschwung, probiert alle möglichen Verrenkungen, variiert ihre Mimik und lässt die Anrichte der Queen (mit der gleichen Lampe drauf wie bei Brauns in Winterberg!) so imaginär erstehen wie den „Relax-Sessel“, Betonung auf der ersten Silbe, von „s’ Fiola“ ihrem Werner. Viola gehört auch zur Splittergruppe „Winterberch“ der Katholischen Frauen Deutschlands (KFD), in der sich Frieda Braun engagiert.

Ihr Spiel, das die ganze Breite der leeren Bühne ausnutzt, verleiht Frieda Braun ebenso Komik wie ihr Sprachgefühl. Der Werner zum Beispiel, der zum „Pflechma“ (Phlegma) neigt, „ist vom französischen Modeschöpfer so nicht vorgesehen“, der den Sessel gestaltet hat, weshalb sein Sohn aus dem Label Gaultier eben „Faultier“ gemacht hat. Das Dschungelcamp bedeutet „bildungsfern sehen“, die Nudeln heißen „Strangulini“ statt Linguini.

Die Themen: uferlos. Eigentlich berichtet Frieda Braun, welche Bildungsangebote sich die KFD-Damen ausgedacht haben: Kurse wie „Wir essen unsere Heimat“, „Wie man richtig abhustet“, „Singen wie Buckelwale“ oder „Internet für Silbersurfer“. Technisch ändert sich ja alles: „Sag mal zu jungen Menschen: Leg’ mal’n Hörer auf die Gabel!“ Und was ist ein Stick? „Da kannste Daten drin eintuppern.“

Aber natürlich schweift Braun ab, erzählt von früher, als das Telefon einen Stoffüberzug hatte („Brokat-Poncho“) oder vom Ausflug zur Feuerwehr- und Sicherheitsmesse mitsamt Sirenenparade. Sie berichtet vom Älterwerden, der „Verlotterung ab 40“ und den Spurrillen des Körpers („wenn es eine Straße wäre, müsste man sperren“), von Toilettenpapier mit Spekulatiusduft. Und vom „Wickbert“, der Streicheln überhaupt erst mit dem „Zartphone“ gelernt hat und sich jetzt sogar nachts auf seinem Telefon wälzt. Sie liebe ihren Thermomix auch, so Frieda Braun, „aber ich würde mich nie an dem Gerät scheuern.“

Sommer im Park am Dienstag: Michl Müller, 20 Uhr. Frieda Braun tritt am 15. 11., 19.30 Uhr, mit dem neuen Programm „Sprechpause“ im Staatstheater Kassel auf. Karten: Tel. 0561/1094-222, www.staatstheater-kassel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.