Das Jugendwort ist out: Per Twitter wird das Seniorenwort gesucht

Beliebte Seniorenwörter, die leider nicht mehr gebraucht werden: Groschen (hier mit anderen Münzen), Tanztee, Wählscheibe und Libero (hier Franz Beckenbauer). Fotos: dpa

Das Lustige am Jugendwort des Jahres ist, dass es meist selbst Jugendliche nicht kennen. Vor wenigen Tagen kürte der Langenscheidt-Verlag Babo (türkisch für Chef) zum diesjährigen Sieger, früher triumphierten Niveaulimbo (Absinken des Niveaus) und Gammelfleischparty (Ü-30-Party).

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Komisch nur, dass die Wörter außerhalb der Jury kaum einer kennt geschweige denn benutzt. Ganz anders ist es mit dem Seniorenwort. Für das gibt es zwar keine offizielle Wahl. Aber seitdem der Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch am Dienstag über Twitter Vorschläge einforderte, rangiert der Hashtag #Seniorenwort im Kurzmitteilungsdienst in den Trends ganz weit oben. Allein in den ersten zwölf Stunden kamen 7000 Tweets von 1800 Nutzern zusammen.

Angeregt hatten den Professor der Freien Universität Berlin zwei Leserinnen, die ein „Seniorenwort des Jahres“ vermissten. Nun twittern Junge und Alte wie verrückt Begriffe wie Donnerbalken, Hitparade, Kurschatten  und Groschen. Genannt werden vor allem altmodische Wörter (Sonntagsbraten, Tanztee) und Begriffe für Dinge, die es nicht mehr gibt oder die gerade verschwinden (wie Bandsalat  und Füllfederhalter).

Die Aktion hat offenbar einen Nerv getroffen. „Es gibt eine sprachliche Nostalgie und eine Art Sehnsucht nach dem Früher“, glaubt Stefanowitsch, der mit dem Seniorenwort dem Jugendwahn etwas entgegensetzen will. Das Ganze geht natürlich nicht ohne Ironie. Unter den Vorschlägen finden sich auch Begriffe wie Facebook, FDP  und Sozialdemokratie.Und einige Wörter haben mittlerweile einen Nachfolger gefunden: Während man früher für junge Frauen, die häufig den Partner wechselten, Flittchen  sagte, nennt man so eine heute eher Schlampe oder Bitch.

Von Matthias Lohr

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