Julia Roberts im Interview: „Ich bin nur ein Mädchen“

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Auf der Suche nach dem Glück: Julia Roberts als Elizabeth Gilbert in „Eat Pray Love“.

Ihr entwaffnendes Lächeln in „Pretty Woman“ machte Julia Roberts zum Superstar. Heute lebt die Mutter von drei Kindern auf einer Farm und tritt seltener ins Scheinwerferlicht.

In der am Donnerstag im Kino anlaufenden Verfilmung des autobiografischen Bestsellers „Eat Pray Love“ von Elizabeth Gilbert spielt die 42-Jährige die New Yorkerin Liz, die auf Sinnsuche eine Reise nach Italien, Indien und Bali antritt. Wir trafen Roberts in Rom.

Wie lebt es sich als Mythos?

Julia Roberts: Wenn man mir Fragen wie diese stellt, bin ich in der öffentlichen Wahrnehmung natürlich nicht mehr nur das Mädchen. Ich werde dann zu diesem Ding in Ihrer Vorstellung, das nichts mit mir zu tun hat. Ich bin einfach nur ein Mädchen.

Der Film erzählt davon, wie eine Frau in der Krise ihr Leben neu definiert. Gab es solche Momente auch bei Ihnen?

Roberts: Ich arbeite permanent an der Feineinstellung, wenn es um mich und mein Leben geht. Ich hatte deshalb niemals den Moment der großen Selbstfindungskrise.

Liz verbreitet die Botschaft, bei Pizza und Pasta keine Zurückhaltung zu üben und notfalls eine größere Jeans zu kaufen.

Roberts: Es geht darum, glücklich zu sein. Und gutes, frisches Essen gehört dazu. Ich hatte gestern Abend einen gigantischen Teller Carbonara. Davon werde ich noch wochenlang träumen. Zum Frühstück hätte ich gleich wieder einen verdrücken können. Es geht darum, was dich glücklich macht. Natürlich muss man gesunde Entscheidungen treffen. Aber wenn man eine Sache mit Glücksgefühlen und Zuneigung angeht, wird sie einem nicht wehtun.

Die Dreharbeiten waren langwierig und fanden fern Ihrer Heimat statt. Wie haben Sie ihr Familienleben geregelt?

Roberts: Wir waren immer alle zusammen.

Was versäumen Menschen, die das Familienleben der Karriere opfern?

Roberts: Es steht mir nicht zu, zu beurteilen, was einem anderen Menschen fehlt. Wir alle treffen eigene Entscheidungen, die wir für angemessen halten. Für den einen mag es nicht infrage kommen, eine Familie zu gründen, für den anderen führt eine Karriere nicht zur Erfüllung. Ich hatte das Glück, früh in meine Karriere zu starten. Als ich meine Familie gründete, hatte ich schon achtzehn Jahre gearbeitet.

Wo finden Sie als Mutter die Momente des süßen Nichtstuns, die der Film zelebriert?

Roberts: Sie sind überall, man muss sie nur finden.

Was sollen Leute tun, die es sich nicht leisten können, nach Indien oder Bali zu reisen?

Roberts: Ich glaube nicht, dass man auf Wallfahrt gehen muss, um Glück und Spiritualität zu finden. Alles befindet sich in deinem Haus.

Warum sehen wir Sie zumeist in sympathischen Rollen?

Roberts: Ich bekomme nicht so viele Rollen als Bösewicht angeboten. Es ist nicht so, dass ich das nicht mögen würde. Aber ich habe oft das Gefühl, dass böse Frauenfiguren weniger Dimensionen haben. Ich finde eine Rolle umso besser, je mehr ich zu spielen habe. Oft ist nicht genug Fleisch am Knochen.

Vor 20 Jahren wurde „Pretty Woman“ gedreht. Welche Erinnerungen haben Sie an diesen Film?

Roberts: Das stärkste Gefühl, dass ich mit diesem Film verbinde, bezieht sich auf die guten Beziehungen, die ich damals zu Regisseur Garry Marshall und Richard Gere hatte. Es sind wirklich starke, lebenslange Bindungen entstanden. Ich werde es Garry Marshall niemals vergessen, dass er mir diese Chance gegeben hat.

Können Sie sich noch normal auf der Straße bewegen?

Roberts: Ich bin niemand, der einen Menschenauflauf verursacht. Man flüstert mir höchstens zu: „Oh, hi! Ich mag ihre Frisur!“

Ihr Filmpartner Richard Jenkins meinte, der Star des Films sei verantwortlich für die Stimmung am Drehort.

Roberts: Ich teile diese Auffassung. Und ich empfinde es als eine Ehre, am Drehort für gute Laune sorgen zu dürfen. Es fällt mir leicht, denn ich liebe meine Arbeit und ich möchte, dass die Menschen glücklich sind, mit denen ich arbeite.

Wird die Arbeit nach einem Oscar schwieriger?

Roberts: Nein, das glaube ich nicht. Mich motivieren nach wie vor dieselben Dinge. Meine Ziele sind die gleichen geblieben. Natürlich ist es ein Moment der totalen Glückseligkeit, den Oscar in Empfang zu nehmen. Und dann macht man mit seiner Arbeit weiter.

Zur Person

Julia Roberts (42) hat seit 20 Jahren den Status, von Frauen bewundert und von Männern verehrt zu werden. Seit ihrer Hauptrolle in „Pretty Woman“ (1990), die sie zum Star machte.

Der Film um eine Prostituierte, die eine Liebesgeschichte mit einem reichen Mann erlebt, hat bis heute einen großen Freundeskreis. Die 1967 in Atlanta, Georgia, geborene Roberts spielte danach Hauptrollen in Kassenschlagern wie „Die Akte“ oder „Notting Hill“. Der Auftritt als couragierte Anwaltsgehilfin „Erin Brockovich“ bescherte Roberts 2000 einen Oscar.

Einige Jahre führte sie außerdem die Liste der bestbezahlten Hollywood-Schauspielerinnen an.  Roberts ist in zweiter Ehe mit Danny Moder verheiratet, lebt auf einer Farm in New Mexico und hat drei Kinder.

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