Rapper Kollegah vertreibt Heino aus den Charts

Die neuen Gangsta-Rapper: Kollegah (links) studiert Jura in Mainz, Farid Bang nennt sich einen „asozialen Marokkaner“. Mit ihrem „Zuhälter-Rap“ stellten Sie einen Charts-Rekord auf.

Mit „Märchen, Mythen und Sagen“ kennt sich der Rapper Kollegah aus. 2002 gewann der damals 18-Jährige, der eigentlich Felix Blume heißt, einen Malwettbewerb der Volksbank Simmern zu eben diesem Thema. Nun schreibt er selbst ein Märchen.

Mit seinem Kollegen Farid Bang hat er den Pseudorocker Heino von der Spitze der Charts verdrängt.

Zudem hat das Duo mit „Jung, brutal, gutaussehend 2“ einen Rekord aufgestellt: Kein anderes deutsches Rap-Album wurde in der ersten Woche nach Veröffentlichung öfter verkauft. 80.000 Einheiten, das haben nicht einmal die Fantastischen Vier geschafft. In Österreich und der Schweiz sind die Aufsteiger ebenfalls die Nummer eins.

Nachdem zuletzt smarte HipHopper wie Cro und Casper den Ton angaben, bringen Kollegah und Farid Bang den Gangsta-Rap in die Charts zurück. „Zuhälter-Rap“ nennen sie ihren Stil. In den Videos zu ihren Songs wie „Stiernackenkommando“ sieht man die beiden muskulösen Männer im Knast, mit schnellen Autos und (man kann es nicht anders sagen) nuttig angezogenen Frauen. Die Texte handeln von Schießereien, Müttern, die „gefickt“ werden, und „meinem Schwanz“, an dem „heranbretternde Dampflocks zerschmettern“. Komplett ballaballa.

Dabei ist alles nur ein Märchen. In Wirklichkeit hat Kollegah nicht nur einen Malwettbewerb gewonnen, der 28-Jährige studiert auch Jura in Mainz. Aufgewachsen ist der Sohn einer Deutschen und eines Kanadiers im Hunsrück. Angeblich konvertierte er wegen seines algerischen Stiefvaters mit 15 zum Islam. Unter Vertrag ist Kollegah bei der Düsseldorfer Plattenfirma Selfmade Records. Deren Chef Elvir Omerbegovic hat politische Kommunikation studiert und inszeniert Gangsta-Rap, den vermeintlichen Soundtrack der Unterschicht, nun auch für Abiturienten.

30 Prozent seiner Figur Kollegah seien „Übertreibungen, die Entertainment-Zwecken dienen“, sagt Blume, der als einer der technisch besten Rapper Deutschlands gilt. Wie schnell er seine Texte über die wabernden Soundflächen und harten Beats schickt, ist beeindruckend. Aber die Texte bleiben Frauen verachtender Sexismusdreck. Etwa: „Jetzt wird deine Slut gebumst, sie kriegt meinen Schwanz in den Mund, und ihr Herz pumpt Adrenalin, Bitch!“

Der Vorgänger von „Jung, brutal, gutaussehend 2“ wurde indiziert, aber das hat die Musik erst richtig populär gemacht. Kollegah kennt die Mechanismen. Nach dem Studium will er eine Anwaltskanzlei aufmachen. Er hat nur Angst, dass sein Kollege sein wichtigster Mandant wird. Farid Bang (26) nennt sich selbst einen „asozialen Marokkaner“. Aber vielleicht ist auch das nur ein Märchen.

Kollegah und Farid Bang: Jung, brutal, gutaussehend 2 (Selfmade Records).

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