Jung, schön, erfolgreich: Pop-Sängerin Lorde aus Neuseeland

Keine Angst, die will nur spielen: Die 17-jährige Lorde landete mit „Royals“ einen Welthit. Foto: Badger

Okay, das ist wirklich ’ne Menge Holz! Interviews in der „Washington Post“ und im Londoner „Telegraph“, mit dem „Guardian“, der „Spex“ und im „Rolling Stone“, in „GQ“, „Marie Claire“ und in der „Teenvogue“. Und das mit 17 Jahren.

In einem Alter, in dem man an alles Mögliche denkt, an die ekligen Pickel und an diesen unglaublich süßen Typen aus der Nachbarklasse, aber doch nicht ernsthaft an eine derart steile internationale Karriere. Schon gar nicht, wenn man von einem mittelgroßen Eiland down under namens Neuseeland kommt, wo nicht mal die bekannteste Vogelart abzuheben in der Lage ist.

Ja, mit 17 – da hat man noch Träume. Und was hat Lorde? Zum Beispiel hat sie mit ihrem Hit „Royals“ wochenlang den ersten Platz der amerikanischen Single-Charts blockiert. Lange Gesichter bei Katy Perry und Miley Cyrus? Bestimmt. „Royals“, dieser locker fingerschnippende Electropop-Song mit dem schmucken Federbeat, auf dem Lordes leicht verhangene Stimme den zarten Schmelz der Melancholie mindestens so sexy klagend herauskitzelt wie Rihanna und Lana Del Rey in ihren besten Momenten zusammen.

In „Royals“ geht es ebenso wie in den anderen neun Stücken ihres großartigen Debüts „Pure Heroine“ ziemlich lässig zu. Cool, aber nicht unterkühlt. Der Trick geht so: Schnapp dir einen ästhetisch geschulten, geschmackssicheren Produzenten, am besten einen Fan von The XX, James Blake und Little Dragon, und lass ihn machen.

Weggelassen wurde so der ganze überflüssige Fanfaren-Breitwandunsinn. Feine, überaus smarte Beinahe-Minimal-Hymnen mit einem sehr zeitgemäßen Beat- und Soundkostüm sorgen dafür, dass man nicht schon nach dem zweiten Mal Anhören pappsatt für die Ewigkeit ist. Das glauben Sie nicht? Dann hören Sie sich einmal den Opener „Tennis Court“ an. Ein sehnsuchtsstarker Traum von einem Post-R&B-Hüftflieger, wie gemacht für die große Dancefloor-Liebe auf den ersten Blick.

Der verantwortliche Produzent heißt übrigens Joel Little. Der Neuseeländer ist 30, wirkt aber kaum älter als Lorde. Denn Lorde, die eigentlich Ella Yelich-O’Connor heißt und aus Devonport kommt, erinnert mit ihrem mächtigen brünetten Wuschelkopf und den katzenhaften Augen zwar an eine märchenhafte Mischung aus Elfe und Zauberin, aber naiv sieht sie beileibe nicht aus. Eher auf nachdenkliche Weise mysteriös.

Auf der Single „Royals“ macht Lorde sich lustig über den ganzen narzisstischen Bling-Bling-Wahnsinn, die Exzesse des Luxuriösen, ohne die es Rihanna, Lady Gaga, Miley Cyrus und Beyoncé vermutlich nicht vier Stunden aushalten könnten. Sie hat nicht Joanne K. Rowling, sondern Raymond Carver, T. S. Eliot und Kurt Vonnegut gelesen und liebt die Musik von Lou Reed, Grizzly Bear und Animal Collective.

Und das soll man jetzt alles und einfach so glauben? Aber unbedingt. Es steht ja hier geschrieben. Wie gesagt, Lorde ist gerade Mal 17. „Pure Heroine“ ist hoffentlich erst der Anfang.

Von Michael Saager

Lorde: Pure Heroine (Universal / Universal). 

Wertung: Fünf von fünf Sternen

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