Junge, Junge, war das gut: Boy im Kasseler Kulturzelt

Charmant mit Schweizer Akzent: Valeska Steiner vom Hamburger Pop-Duo Boy. Foto: Fischer

Kassel. Valeska Steiner wäre nicht einmal überrascht gewesen, wenn sie von ihrem ehemaligen Bekannten verprügelt worden wäre. Vor sechs Jahren, erzählte die Sängerin des Hamburger Pop-Duos Boy am Sonntag beim Konzert im Kasseler Kulturzelt, schrieb sie das Lied „Boris“ über einen „ganz doofen Typen aus Zürich“, wo die Mittzwanzigerin herkommt.

Im Text rät sie diesem Boris, die Stadt zu verlassen, und er kommt auch sonst nicht gut weg. Sechs Jahre lang, so gestand Steiner, habe sie Angst gehabt, ihn wiederzusehen. Vor Kurzem traf sie den Gescholtenen, der zur Überraschung jedoch „ganz nett“ war.

So passiert es allen mit Boy: Steiner und ihrer Kollegin Sonja Glass kann man nicht böse sein. Die Pop-Welt hat die Newcomer, die sich an der Hamburger Musikhochschule kennengelernt haben, sofort in ihr Herz geschlossen, seitdem die beiden Frauen vor einem Jahr ihr Debütalbum „Mutual Friends“ beim Herbert-Grönemeyer-Label Grönland Records veröffentlichten. Sie eröffneten die Berlinale, touren demnächst mit Katie Melua, und ihr Kasseler Konzert war seit Monaten ausverkauft.

Selten hat man auf der Bühne solch liebenswerte Künstler gesehen. Mit ihrem charmanten Schweizer Deutsch kündigt Steiner zunächst das Berliner Trio Nias als Vorband an, das wegen „familiärer Dinge“ nur zu zweit auftreten kann und mit seinem Schrammel-Pop trotzdem einen guten Job macht. Anschließend sagt Steiner, dass „ihr es so schön hier habt“. Man glaubt ihr, dass sie es ernst meint, und man spürt auch, dass ihre Freude nicht gespielt ist. Dabei hatten Steiner und Glass zuvor drei Stunden lang im ICE auf dem Gang stehen müssen.

Ihre luftigen Pop-Songs erinnern an Phoenix und Feist. Es ist internationaler Pop, weshalb es nicht verwundert, dass Boy einen Tag zuvor auf dem Wilderness Festival im Süden Englands auftraten, was für eine deutsche Band ein Ritterschlag ist. Für einen kraftvollen Sound sorgen neben der Bassistin Glass vier Jungs, darunter Gitarrist Deniz Erarslan und Percussionist Benedikt Schnermann, die sonst Teil der Hamburger Band Fotos sind.

Die vielen „Ohohohs“ und „Lalalas“ singen die Fans ebenso mit wie den gesamten Text des Hits „Little Numbers“. Manchmal hätte durchaus mehr gerockt werden dürfen wie beim ekstatischen Finale von „This Is The Beginning“. Einmal versagte Steiner kurz ihre schöne Stimme. Und nach 70 Minuten mussten sie „Skin“ noch einmal spielen, weil sie noch nicht mehr Songs haben. Böse sein kann man ihnen trotzdem nicht. Boy muss man mögen.

Nächste Termine: Die Konzerte von Hubert von Goisern am Mittwoch und Donnerstag sind ausverkauft.

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