Junges Dokfest: Filmkritik "Mamnou (Forbidden)"

Damit Jugendliche für das Medium sensibilisiert werden und qualitätvolle Filme sehen und bewerten lernen, gab es beim Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest im November wieder die Sektion „Junges Dokfest“.

Hier die Kritiken des Films "Mamnou (Forbidden)".

Kritik 1

„Was ist verboten?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich derDokumentarfilm „Mamnou“.Die Regisseurin Amal Ramsis beschreibt die Umstände in Ägypten vor, während und teilweise nach dem Sturz des Regimes. Sie entführt uns in die Welt Ägyptens und bringt uns dadurch auf anschauliche Art und Weise Kultur und Politik näher.

Das erste genauer zuerkennende Bild ist ein rotes Schild, welches auf der Leinwand prangt. Groß darunter steht in schwarzen Druckbuchstaben „Forbidden“. Dies bezieht sich auf die vielen Verbote in Ägypten.Tagtäglich verstieße dort jeder Mensch gegen etwa 10-15 Gesetze, meist unbewusst, da niemand wirklich wusste, was nun tatsächlich verboten ist. Über Missstände zu singen, Demonstrationen abzuhalten, die Regierung gar zu kritisieren oder sich in der Öffentlichkeit zu küssen war ein schlimmes Vergehen. Im Verlauf des Filmes werden viele Interviews mit Einwohnern gezeigt, welche von eigenen Erfahrungen mit der Polizei berichten. Jeder erzählt seine ganz eigenen Geschichten, die doch alle mit der Unterdrückung des Volkes zu tun haben.So wird das Problem der Hilflosigkeit gekonnt in Szene gesetzt und auf Grund von authentischen Erzählungen verschiedener Personen und vielen beeindruckenden Bildern perfekt untermalt.

Auffällig ist, dass oft aus einem Auto gefilmt wurde. Dies zeigt zwar viele Bilder, ist aber auch sehr anstrengend zu verfolgen. Diese Perspektive steht vielleicht für den schnellen Wandel der Gesellschaft in Bezug auf die Politik, die Rechte usw., aber es könnte auch für die Unbeständigkeit des Staates stehen, für die ungewisse Zukunft, den unbestimmten Weg.

Positiv ist eindeutig die Nähe zu den Personen: Jeder von ihnen ist sehr offen, sie verstellen sich nicht, lachen und sind auch traurig und nachdenklich. So wirkt es echt, obwohl die Szenen zusammengeschnitten sind. Um alles noch authentischer wirken zu lassen, wurden Zeitungsartikel in den Film mit eingebaut und Fakten wurden dargestellt, was für den Zuschauer wieder den Realitätsbezug verdeutlicht.

Der Film endet damit, dass das Regime gestürzt wird und die gesamte Last und Unterdrückung, die von der Regierung ausging, vom Volk genommen wird.

Leider gab es für den Film in arabischer Sprache nur englische Untertitel. Die Untertitel mussten meist schnell gelesen werden, was für Leute ohne oder nur mit wenig Englischkenntnissen ein Nachteil ist. Die Folge davon war, dass man sich nur noch auf die Untertitel konzentrierte und weniger auf die Bilder schaute, was sehr schade ist.

Am wichtigsten war für mich, dass man sich in die Situation der Leute einfinden konnte, sich deren Problem und Anliegen bewusst wurde. Dies ist hat der Film geschafft.

Von Marie Gawlik, Jg. 10 (Albert-Schweitzer-Schule, Kassel)

Kritik 2

In dem Dokumentarfilm „Mamnou (Forbidden)“ von Amal Ramsis, geht es um das Land Ägypten und die Rechte, die die Menschen dort haben. Der Film zeigt Situationen des Alltags der dort lebenden Menschen. Man erfährt, dass die Menschen kaum Rechte haben und ihnen viele Dinge verboten sind. Sie verstoßen am Tag unbewusst gegen mehr als zehn Verbote. Manchmal wissen sie nicht mal von der Existenz einiger Verbote. Die Polizei begleitet die Menschen auf den Straßen durch den Alltag und achtet darauf, dass alles seine Ordnung hat. Die Bürger wollen sich dagegen wehren, jedoch ist ihnen jegliche Art von Demonstration oder Protest auf den Straßen verboten.

Der Film wird von Interviews einzelner Personen unterstützt, die den Zuschauer durch den Film begleiten. Oft wurde mit einer handgeführten Kamera gefilmt; die Interview-Szenen wurden mit Stativ aufgenommen, sodass das Bild sehr still war und nicht verwackelte. Die Distanz von der Kamera zu den Personen oder der Handlung wechselt. Mal sieht man das Geschehen aus einer weiteren Entfernung, sodass man die ganze Landschaft oder den Ort sehen kann, ein andermal werden aber auch Nahaufnahmen von den Personen verwendet.

Die gesprochene Sprache ist arabisch und es werden englische Untertitel eingeblendet. In den Szenen, in denen man nur eine Handlung beobachten kann, z.B. Szenen auf dem Markt oder der Stadt wird arabische Musik zur Untermalung benutzt, aber man nimmt trotzdem noch die Geräusche in der Umgebung wahr. Es wurden keine weiteren Effekte benutzt. Der Schnitt des Films ist so angelegt, dass erst eine Handlung kommt und darauf dann die einzelnen Personen folgen, die ihre Meinung abgeben oder die Fragen der Regisseurin beantworten. Auf eine Filmsequenz folgt meist ein Schnitt mit mehreren Szenen eines Interviews.

Der Film hat mir gefallen, da man sich gut in den Alltag der Menschen einfinden konnte und es der Regisseurin wirklich gut gelungen ist, wichtige Momente aufzunehmen. Vor allem, weil im Film auch gesagt wurde, dass erst mit einer Erlaubnis auf den Straßen gefilmt werden durfte. Ich konnte die Meinungen der Personen sehr gut verstehen und unterstütze diese auch. Ich habe wirklich gemerkt, dass die Umstände, in denen die Menschen dort leben, nicht zu akzeptieren sind und wirkliche Unterdrückung herrscht. Jedoch lassen sich die Menschen davon nicht fertigmachen. Sie bleiben sie selbst und lachen sogar über die albernen Verbote z.B. als sie sich über Lieder und Filme unterhalten, die in ihrem Land verboten sind.

Nicht so sehr gefallen hat mir, dass er in einer Sprache war, die wir nicht verstehen und die englischen Untertitel manchmal so schnell kamen, dass es für mich persönlich sehr schwer war, mich gleichzeitig auf das Verhalten der Menschen und das Lesen des gesprochenen Textes zu konzentrieren. So war es sehr anstrengend, dem Film zu folgen, weil man sehr darauf achten musste, alles zu verstehen um den Anschluss an den Rest des Films nicht zu verlieren.

Von Leila Weinke, Jg. 10(Albert-Schweitzer-Schule, Kassel)

Kritik 3

Der Dokumentationsfilm „Mamnout (FORBIDDEN)“ von Amal Ramsis handelt von den politischen Verhältnissen Ägyptens vor der Revolution. Der Film zeigt gut die rechtliche, politische aber auch emotionale Lage vor dem arabischen Frühling.

Gedreht wurde der Film verboten, da es untersagt ist, ohne Lizenz zu filmen. Der Filmemacherin erhielt diese nicht, da nur regimetreue Institutionen diese erhalten. Aufgrund dessen musste Amal Ramsis den Film heimlich drehen. Der Film spielt fast ausschließlich in Kairo der Hauptstadt Ägyptens. Abgesehen von heimlichen, und so auch unbemerkten Drehs in Häusern, wurde der Film draußen nur versteckt mit Handkameras gedreht. So sah man teilweise Szenen aus Autos herausgefilmt, um nicht entdeckt zu werden. Dadurch gab es für den Zuschauer keine Bilder in guter Qualität, abgesehen von denen in Häusern. Die Landschafts- oder Städtedrehs waren nur aus einer Perspektive gefilmt, was den Zuschauer zwar näher ans Geschehen rückte, ihm aber auch Nachteile brachte.

Der Film wurde in zwei Ansichten gedreht. Zum einen wurden von der Regisseurin Fragen an Protagonisten Fragen zum Leben in Ägypten gestellt, bspw. zur politischen oder kulturellen Situation der Menschen. Dadurch bekommt der Film einen sehr stark emotionalen, sowie klaren informativen Charakter. Die Interviews werden aus nur einer Perspektive gefilmt. Trotzdem wird Zuschauern deutlich, dass die gezeigten Interviews geheim gedreht wurden. Zum anderen werden neben den Gesprächen Landschaftsbilder oder Zeitungsüberschriften, zur dramatischen Lage des Landes eingeblendet. Aus den Interviews gehen Details und Informationen hervor, die Ausländer nicht bekannt sind, und so neue Einblick ermöglichen und Spannung erzeugen.

Zudem werden alle Protagonisten der Interviews auf einer politischen Fahrt zur Grenze Gazas begleitet. Dort versuchen sie die Gazazone zu besuchen, jedoch wird ihnen der Zugang verwehrt.

Der Film beschreibt die Sehnsucht nach Demokratie vieler, wenn nicht sogar aller Ägypter. Die Unterdrückung des Regimes wird sehr deutlich. Das Regime wird sehr gut als Militärdiktatur dargestellt, da oft die übertriebene Anzahl von Militärs und Polizei gezeigt werden. Zum Beispiel gibt es in ganz Ägypten über 1000 Militärsperren an Straßen.

Ein Nachteil des Films ist, dass er auf Arabisch gefilmt und lediglich mit englischem Untertitel versehen wurde, wodurch man sich nicht so gut auf das Bild konzentrieren konnte. Schade ist außerdem, dass es wenig Landschaftsszenen gibt. Die vielen Interviews wirken nach einiger Zeit eintönig. Jedoch ist für mich der schlechteste Aspekt, dass das Ende des Films, der eigentlich wichtigste Knackpunkt ist, und nur sehr schlecht verfilmt worden ist. Es zeigt kurz Filmausschnitte des Endes der Revolution, geht aber nicht sehr stark auf diese ein.

Die Arabellion und deren Gelingen in Ägypten ist für mich der entscheidende Punkt, und hätte stärker eingebracht werden sollen. Trotzdem ist der Film gelungen, auch wenn er sich fast ausschließlich auf die Zeit vor dem Ende der Regierung bezieht. Der Film fesselt durch die emotionalen, politischen und informativen Einblicke. Amal Ramsis hat mit Glück den besten Zeitpunkt eines Films über die Menschen und Verhältnisse Ägyptens gedreht. Den der wütenden Menschen kurz vor dem positiven Umbruch.

Von Kilian Umbach, Jg. 10(Albert-Schweitzer-Schule, Kassel)

Kritik 4

„Es ist verboten, den Status der Regierung zu minimieren und zu verleugnen!“ Was ist der Status der Regierung? Wie minimiere ich ihn und vor allem: Wie nicht? Jeden Tag bricht der durchschnittliche Ägypter 15-18 Gesetze. Der Film „Mamnou“ von Amal Ramsis zeigt in Interviews und Momentaufnahmen die problematische Situation der Ägypter vor dem arabischen Frühling.

Die interviewten Ägypter wurden bei ihnen zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung gefilmt. Es wurden keine Geräusche hinterlegt und nicht zu viel Raum gezeigt, um die Aufmerksamkeit auf die Person und das Gesagte zu lenken. Gesprochen wurde auf Arabisch, zum Verständnis der Zuschauer wurden englische Untertitel bereitgestellt. Doch zum Überbringen einer konkreten Nachricht war dies ungeeignet – die Untertitel liefen viel zu schnell ab, sodass die bildliche Umsetzung kaum beziehungsweise gar nicht betrachtet werden konnte. Außerdem war die Grammatik stellenweise fehlerhaft und so liefen oft unverständliche Sätze über die Leinwand.

Während der Straßenaufnahmen wurde ortstypische Musik hinterlegt oder die originalen Geräusche verwendet.

Mit ihrer Arbeit konnte die Filmemacherin trotz schlechter Untertitel beeindrucken. Ihr Ziel, die Missstände in Ägypten vor dem arabischen Frühling aufzuzeigen, hat sie erreicht. Denn sie überzeugt in ihrer Art, die Probleme mit Schlichtheit, Humor und zur Schau gestelltem Trotz zu vermitteln. Auf diesem Weg kann „Mamnou“ mit den dokumentarisch hochqualitativen Eindrücken punkten.

Von Johanna Voigt, Jg. 10(Albert-Schweitzer-Schule, Kassel)

Kritik 5

„Ich weiß nicht, wie viele Verbote ich heute gebrochen habe.“ Diese Frage können die interviewten Personen aus dem Film „Mamnou – Forbidden“ nicht beantworten. Amal Ramsis Dokumentarfilm „Mamnou – Forbidden“ handelt von der Unterdrückung der Bevölkerung und den Verboten in Ägypten. Gedreht wurde er im Oktober 2010 – kurz vor Beginn der Revolution. Der Film soll die Zuschauer an diese Zeit erinnern.

Von den befragten Personen sind meist nur die Gesichter und Oberkörper zu sehen. Doch es werden auch Szenen gezeigt, die die Menschen auf der Straße oder bei Revolutionen zeigen. Diese Aufnahmen werden von einer landestypischen Musik hinterlegt. Die Interviews sind ohne Musik, sondern nur mit den Stimmen der Personen gezeigt.

Die Personen sprechen alle auf Arabisch und die Untertitel werden nur auf Englisch gezeigt, was es oft schwer macht, den Ereignissen zu folgen.

Es ist beeindruckend, zu sehen, wie diese Menschen unterdrückt werden und es trotzdem schaffen, zu lächeln und glücklich zu wirken. Dadurch bekommt der Zuschauer den Eindruck, dass die befragten Personen sehr natürlich sind.

Es wird deutlich, dass es ein Dokumentarfilm ist, denn die Personen müssen oft überlegen, was sie antworten möchten.

Meiner Meinung nach lohnt es sich, den Film zu sehen, denn er erinnert den Zuschauer immer wieder an die schwere Zeit der Ägypter.

Von Leonie Ackerbauer, Jg. 10(Albert-Schweitzer-Schule, Kassel)

Hinweis: Die Schülerkritiken sind unbearbeitet übernommen worden und geben nicht die Meinung von HNA Online wieder.

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