Max Uthoff gastierte im Theaterstübchen: „Sie befinden sich hier!“

Jurist auf der Kabarett-Pirsch

Leise Pointen: Max Uthoff. Foto: Socher

Kassel. Im Gegensatz zu vielen Szenekollegen, die mit krachenden Keulen ihre verbalen Angriffe begleiten, umgibt den Kabarettisten Max Uthoff eine eher ruhige, fast coole Bühnenaura. Mit dem unterkühlten Blick eines Juristen schaut er auf all das, was er durch den Kakao ziehen möchte und begeistert sein Publikum mit geschliffenen Sätzen, Scharfblick und uriger Komik.

Am Donnerstag gastierte Uthoff vor 60 Besuchern im Theaterstübchen. Der Vergleich mit dem Juristen passt. Der in München geborene hat Jura studiert. Gleichwohl aber fließt Kabarettistenblut durch seine Adern. Mit seinem Vater, dem Polit-Kabarettisten Reiner Uthoff, stand er 2006 beim Jahresrückblick „Republic Viewing“ gemeinsam auf der Bühne. Seit 2007 spielt Uthoff sein Soloprogramm „Sie befinden sich hier.“ Viel Stoff hat er in dieses Programm gepackt: die Frage nach nationaler Identität, die Angst der Deutschen als Antriebsstoff („Wir brauchen noch viel mehr Angst“), die katholische Kirche („Wenn ein Pastor wegen seiner Untaten mal richtig bestraft wird, glaube ich auch wieder an Wunder“) und natürlich die Politlandschaft mit ihren Symbolträgern.

Filme sollte man über sie machen, meint Uthoff. Der über Edmund Stoiber würde bei ihm den Titel „Jäger des verlorenen Wortes“ bekommen. Auch im globalen Rahmen erkennt er das Subtile: „Die EU ist wie eine WG. Jeder greift in die Haushaltskasse, aber niemand bringt den Müll runter.“

Kleine Spielszenen wiesen Uthoff zudem als ausgezeichneten Mundart-Komiker aus: Zwei Münchner diskutieren während eines Fußballspiels ernste religiöse Fragen. „Ich habe Probleme mit der Trinität“, erzählt der 1860-Fan. „Das erinnert mich zu sehr an Beckenbauer, Hoeneß und Rummenigge“. Lautstarker Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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