Wie eine Zahnbehandlung unter Lachgas: Max Uthoff bringt Spitzenklasse im Theaterstübchen

Kabarett trifft Philosophie

Eloquent, witzig und immer höflich: Kabarettist Max Uthoff bei seinem Auftritt im Theaterstübchen. Foto: Fischer

Kassel. Alle Hände voll zu tun hatte Theaterstübchen-Chef Markus Knierim am Donnerstag beim Gastspiel des Kabarettisten Max Uthoff. Wohin nur mit all den Besuchern? Dass dennoch jeder einen Sitzplatz bekam, war schon mal vor dem großartigen Programm des eloquenten und witzigen Sprachkünstlers Applaus wert. Was folgte, war Kabarett der Spitzenklasse.

„Wir brauchen einander. Das deutsche Publikum und seine Kabarettisten“, eröffnete der aus München stammende Filou. Recht hat er. Probleme, Ängste, Zeitgeist - in dieser schmerzlosen Form serviert -, das ist wie eine Zahnbehandlung unter Lachgas. Dabei hat Uthoffs Art, auf die Wurzeln zu fühlen, etwas fast Höfliches. Aus der Haut fahren, brüllen, toben, das ist nicht sein Ding.

Schwarzer Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte – ein Gentleman von Kopf bis Fuß. So ist auch sein Tonfall. Eine Mischung aus Jurist und englischem Butler, möchte man sagen. Seine Themen pendeln zwischen Politik, Wirtschaft und Philosophie. Miteinander verquickt wird ein Cocktail daraus, der auch nach über zwei Stunden Programm nur den Wunsch weckt: Bitte noch mal nachschenken.

Dabei geht es Uthoff um sehr ernste Themen. Die Macht der Wiederholung zum Beispiel, auf die die Werbung setzt. Mit der sich auch Frauen manipulieren lassen: „Ihr bekommt für die gleiche Arbeit weniger Geld. Ihr seid ja so geduldig.“ Auch die Angst entlarvt er als Kapitalgeber: „95 Prozent aller Entscheidungen trifft der Deutsche aus Angst.“ Weil das Geld bringt oder Wähler. Altersvorsorge ist so ein Verkaufsschlager. Er selbst hat da vorgebaut: „Ich bestelle mir zum Training oft einen Seniorenteller und trage Windeln.“

Das Schlagwort Bewusstsein bemüht der 45-Jährige gern, um das Leben zu erklären - besser gesagt, was davon übrig bleibt, wenn man es Politikern wie Guido Westerwelle oder Renate Künast überlässt: „Die ist doch vom Ambulanzdienst für stehen gebliebene Sorgenfalten.“ Immer wieder flechtet er kleine Blödeleien ein: „Was ist These plus Antithese? Prothese.“ Riesenapplaus für diesen Riesenkabarettisten.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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