Axel Pätz mit bitterbösen Späßen im Theaterstübchen

Der Kabarett-Würger

Stiche in die Venen: Axel Pätz liebt die unterhaltsame Provokation. Foto: Schachtschneider

Kassel. Zum Einstieg Lachen über Ikea, dann Quizfragen für die gute Laune: „Wie heißt der zweite Bundeskanzler?“ Die Antwort aus dem Publikum: „Ehrhardt.“ Kurze Nachfrage: „Welcher Ehrhardt?“ Antwort aus dem Publikum: „Heinz Ehrhardt.“ Beste Stimmung breitete sich aus. Dann der Satz, der zu diesem Zeitpunkt noch ganz harmlos klang: „Ich glaube, ich kann Ihnen jetzt die ganze Premium-Wahrheit zumuten.“

„Die ganze Wahrheit“- so lautet auch das Programm von Axel Pätz. Was der „Tastenkabarettist“ damit meinte, könnte man auch als komödiantischen Würgegriff bezeichnen: Groteske Lieder voller Sarkasmus und genial gestrickte, bitterböse Texte, die dem Publikum am Mittwochabend im gut besuchten Theaterstübchen bisweilen das Lachen im Hals gefrieren ließen: „Jetzt haben wir noch ein Baby im Gefrierfach. Schon nach ’ner halben Stunde war es tot. Und keiner wusste, wohin damit.“ Bekenntnisse eines Familienvaters nennt er das und fragt sogleich mit diabolischen Grinsen: „Was ist denn los? Will die gute Stimmung nicht aufkommen?“

Pätz liebt die Provokation. Er spielt mit seinem Publikum Katz und Maus. Ein Mephisto im Kabarettgewand ist er. Wie es ihm gelingt, bei all den Boshaftigkeiten, die er vom Piano aus in den Saal schleudert, als großartiger Entertainer wahrgenommen zu werden, gleicht einem Geniestreich.

Mit harmlosen kleinen Liedern wie „Ich hab’ Hunger, ich hab’ Durst. Ich will Cola und ’ne Wurst“ verführt er das Publikum, schafft entspannte Gute-Laune-Stimmung. Dann aber sticht er zu und pumpt mit teuflischem Lächeln, theatralischer Mimik und sarkastisch gefärbtem Tonfall seine kleinen Attentate in die Venen: „Gönnen Sie sich die Freude. Machen Sie mal jemand kalt.“ Zwischen Genie und Wahnsinn pendelt Pätz auf der Bühne. Das Publikum animierte diese teuflisch gute Mischung zu lautstarkem Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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