Alfons

Kabarettist über Charlie Hebdo: "Wenn es heftig wird, muss man lachen"

Normalerweise stellt Alfons Passanten Fragen wie „Wären Sie lieber Politiker oder schwul?" Im Interview erklärt der Kabarettist, wie man nach dem Terror von Paris trotzdem lachen kann.

Die wichtigsten Zeitschriften in Ihrer Jugend waren der „Playboy“ und „Charlie Hebdo“. Wären Sie ohne das Satiremagazin nie Komiker geworden?

Alfons: Das weiß ich nicht, aber „Charlie Hebdo“ hat für mich eine große Rolle gespielt. So wie für viele meiner Landsleute. Etwas ins Lächerliche zu ziehen, ist in Frankreich sehr wichtig. In Deutschland muss man sich bei traurigen Ereignissen fragen, ob man einen Witz machen darf. Für uns Franzosen stellt sich die Frage nicht. Wenn es heftig wird, muss man lachen. Es gibt nichts Besseres. Das ist die Art, wie wir so etwas aushalten.

Deshalb kann man auch darüber lachen, dass die Terroristen eine Zeitung angriffen und am Ende ausgerechnet in einer Druckerei starben? 

Alfons: (lacht) Das höre ich zum ersten Mal. Sehr lustig.

Wie haben Sie den Trauermarsch am Sonntag in Paris erlebt, für den Sie eigens nach Frankreich geflogen sind?

Alfons: Zum einen war es natürlich sehr traurig. Manches war aber auch komisch. Etwa als alle die Marseillaise sangen. Unsere Nationalhymne passt gar nicht zu „Charlie Hebdo“. In dem Lied heißt es: „Zu den Waffen, Bürger, formt eure Truppen. Marschieren wir. Unreines Blut tränke unsere Furchen.“ Wenn die Leute von „Charlie Hebdo“ das im Himmel gesehen haben, werden sie sofort zum Stift gegriffen haben - wenn es dort oben Stifte gibt. Und dann gab es den Zwischenfall mit der Taube.

Was für eine Taube?

Alfons: Das hat man in Deutschland kaum wahrgenommen. In Frankreich zeigten die Fernsehbilder, wie Präsident François Hollande mit den Überlebenden von „Charlie Hebdo“ spricht. Irgendwann beginnen der Karikaturist Luz und seine Frau zu lachen. Als Hollande weitergeht und den Kolumnisten Patrick Pelloux umarmt, kriegt sich Luz gar nicht mehr ein. Er lacht sich fast tot.

Nachher erzählte er, dass während seines Gesprächs mit Hollande eine Taube auf den Präsidenten geschissen hat. Erst versuchte er, nicht zu lachen, aber dann hat Pelloux bei der Umarmung voll in die Scheiße gepackt. Seitdem glaube ich, dass wir als Tauben wiedergeboren werden. Das kann kein Zufall gewesen sein.

In Paris sah man auch Staatschefs, die sich sonst kaum um die Meinungsfreiheit scheren. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass der Anschlag etwas ändert in Ländern wie der Türkei?

Alfons: Ich denke, es wird schon ein Davor und Danach geben, aber man darf nicht naiv sein: Es ist nicht so, dass wir ab jetzt alle intelligent sein werden. Das erste Titelbild von „Charlie Hebdo“ nach dem Anschlag war weniger derb als das, was sie sonst machen. Der Prophet weint und darüber steht: „Alles ist vergeben.“ Versöhnlicher geht es nicht. Aber selbst das wird in der Türkei und manchen anderen Ländern als Beleidigung verstanden. Da weiß man: Der Dialog ist noch längst nicht da.

In Ihrem Bühnenprogramm treffen Sie nach 20 Jahren drei französische Freunde wieder. Müssen Sie das Programm nun komplett umschreiben?

Alfons: Komplett nicht, aber ich werde darüber reden. So ein Ereignis kann ich nicht ignorieren. Das Programm dreht sich um Frankreich und Deutschland. Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern war noch nie so eng wie heute.

Wie deutsch sind Sie nach 24 Jahren in Deutschland?

Alfons: Ich befürchte sehr deutsch, gerade was die Pünktlichkeit angeht (lacht). Bei der Demo, die um drei Uhr beginnen sollte, wurde ich schon um 20 vor drei nervös. Meine Freunde fragten mich, ob ich noch normal oder schon deutsch sei. Erst da wurde mir bewusst: Wir sind ja in Frankreich und haben mindestens noch eine Stunde Zeit.

Zur Person

Geboren: am 17. März 1967 in Paris als Emmanuel Peterfalvi Ausbildung: Studium der Kommunikationstechnologie Beruf: Kabarettist Karriere: Peterfalvi kam 1991 nach Deutschland, um den Militärdienst zu umgehen, und stand irgendwann beim TV-Sender Premiere vor der Kamera. Bekannt wurde er in ARD-Sendungen wie „Zak“, wo er als naiver Reporter Passanten befragte. Heute hat er Im Ersten die Sendung „Puschel TV“ und im SWR „Alfons & Gäste“. „Ein Fall fürs All“ mit Urban Priol wurde im ZDF nach drei Folgen eingestellt. Privates: Der Vater zweier Kinder lebt mit seiner Familie in Hamburg.

Von Matthias Lohr 

Kulturprogramm in Vellmar

Alfons ist einer von zahlreichen Künstlern im Kulturprogramm des Vellmarer Piazzas. 

23. Januar: Ensemble 4 Töne - 1 Spruch (Literatur- und Musik-Show, Piazza, am Festplatz Brüder-Grimm-Straße)

24. Januar: Mark Britton (Kabarett, Piazza)

12. Februar: Bernd Gieseking (kabarettistischer Jahresrückblick, Piazza)

13. Februar: Christine, Lutz & Jörg Götzfried (Bob-Dylan-Hommage, Piazza)

14. Februar: Alfons (Comedy und Kabarett, Bürgerhaus Vellmar-West, Lüneburger Str. 10)

20. Februar: David Werker

(Comedy, Piazza)

21. Februar: Emmi & Herr Willnowski (Comedy, Bürgerhaus Vellmar-West)

26. Februar: Olaf Schubert (Comedy, Mehrzweckhalle Frommershausen, Pfadwiese 10)

7. März: Trude träumt von Afrika (Musik und Comedy, Bürgerhaus Vellmar-West)

13. März: Organtheater Kassel (Comedy-Theater, Piazza)

14. März: David Leukert (Kabarett, Piazza)

20. März: Clajo Herrmann (Kabarett, Piazza)

26. März: Der Tod (Comedy, Bürgerhaus Vellmar-West)

16. April: Bernd Stelter (Comedy, MZH Frommersh.)

17. April: Maxi Schaffroth (Kabarett und Musik, Piazza)

18. April: Thomas Reis (Kabarett, Piazza)

25. April: LaLeLu (a-cappella-Comedy, Bürgerhaus Vellmar-West)

Tickets: 0561/203-204, www.piazza.ddticket.de

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