Kabarettist Asül: "Kultur muss eine Gaudi sein"

Vor Django Asül hat sogar CSU-Chef Horst Seehofer Respekt. Seit Jahren liest der deutschtürkische Kabarettist den Politikern die Leviten. Nun kehrt er nach Vellmar zurück.

Es kann gut sein, dass Horst Seehofer an diesem Mittwoch ein bisschen Angst vor Django Asül hat. Zum neunten Mal liest der Kabarettist dem CSU-Politiker und seinen Kollegen beim traditionellen Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus die Leviten. Samstag gastiert der Deutschtürke aus Niederbayern im Bürgerhaus Vellmar-West - ausgerechnet am letzten Arbeitstag des Vellmarer Kulturbeauftragten Gerhard Klenner (65), der Asül 1997 für sein erstes Engagement außerhalb Bayerns nach Nordhessen geholt hatte. Wir sprachen mit dem 44-Jährigen.

„Letzte Patrone“ ist angeblich Ihr letztes Programm. Das ist doch Satire, oder? 

Django Asül: Der Titel ist durchaus Programm. Es kann gut sein, dass dies mein letztes Programm ist. Wie es danach weitergeht, werde ich sehen. Allein mein Jahresrückblick läuft so gut, dass er mittlerweile viel Zeit in Anspruch nimmt.

Kann man das Jahr allein mit einem Jahresrückblick verbringen? 

Asül: Es ist nicht so, dass ich das Jahr allein mit Arbeit verbringen muss. Ich habe so viele Dinge, die mir mindestens so viel Spaß machen, wie auf der Bühne zu stehen.

Aber man muss doch auch Geld verdienen. 

Asül: Dem Satz würde ich nicht widersprechen. Aber ich habe das Glück, dass ich in der Weltstadt Hengersberg mit seinen 5000 Einwohnern geringere Kosten habe, als wenn ich in München leben würde.

Der rote Faden von „Letzte Patrone“ ist die demografische Überalterung der Gesellschaft. Worum geht es genau? 

Asül: Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass das Volk jedes Jahr ein paar Tage älter wird, während ich im selben Zeitraum ein ganzes Jahr älter werde. So liegt meine Alterung weit über dem Durchschnitt. Ich frage daher, wie ich mit meiner weitaus kürzeren Restlaufzeit umgehe.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit in Hengersberg? 

Asül: Ich habe ein tägliches Ritual und setze mich am Vormittag an den Seniorenstammtisch im Café Einhellig. Der Zweitjüngste nach mir ist Jahrgang 1949. Dort lerne ich jeden Tag etwas Neues.

Und was dort gesagt wird, das verarbeiten Sie dann für die Bühne? 

Asül: Genau. In meinem Programm steckt viel Originalmaterial. Wenn es bei mir zum Beispiel um die Flüchtlingskrise geht, denke ich mir nicht etwas aus, sondern lasse einfach den Klassensprecher des Stammtisches zu Wort kommen. Meine Senioren in Hengersberg sind so gut, dass die Zuschauer oft nicht glauben, dass das wirklich so passiert ist.

Sie haben einmal gesagt, im Kleinkunstbereich finde eine Konsolidierung statt. Nur wer seine Hausaufgaben gemacht habe, behaupte sich. Wer hat seine Aufgaben nicht gemacht? 

Asül: Das würde ich so nicht mehr sagen. Aber es gibt heute zu viele Kabarettisten - viel mehr als vor 15 Jahren. Gleichzeitig geht der klassische Kabarettzuschauer nicht mehr so oft weg. Wo man früher 200 Leute hatte, kommen heute nur noch 20. Da ist eine Konsolidierung unausweichlich.

Beim Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus müssten Sie mit CSU-Chef Horst Seehofer eigentlich besonders hart ins Gericht gehen, oder? 

Asül: Seehofer und ich verstehen uns schon seit vielen Jahren, weil jeder am anderen schätzt, dass er mal Klartext spricht. Ich sage es mal so: Die Politik lässt mich nicht im Stich, wenn ich auf der Suche nach amüsantem Material bin.

In Vellmar hatten Sie 1997 Ihren ersten kompletten Auftritt außerhalb von Bayern. Können Sie sich noch daran erinnern? 

Asül: Sehr gut. Ich war fasziniert, dass mich ein Veranstalter aus dem Norden wie Gerhard Klenner zu sich holt. Die Leute hat neugierig gemacht, dass da ein Türke aus Niederbayern kommt. Wobei das Bayerische an mir das Exotischere für sie war.

Und Gerhard Klenner sind Sie verbunden geblieben. 

Asül: Ja, es hat sich eine jahrelange Freundschaft entwickelt. Er hat eine sehr angenehme Art, mit Menschen umzugehen, und nimmt weder sich noch andere zu wichtig. Wie ich hat er keinen überhöhten Begriff von Kultur. Es muss immer eine schöne Gaudi sein. Beim Kabarett sollte man nicht das Gefühl haben, erst sechs Semester Soziologie studiert haben zu müssen, um mitlachen zu können.

Zur Person

Geboren: am 19. April 1972 in Deggendorf als Ugur Bagislayici. Seine Eltern waren als Gastarbeiter nach Niederbayer gekommen.

Ausbildung: zum Bankkaufmann. Zwischenzeitlich arbeitete Asül als Tennislehrer.

Karriere: Sein erstes Kabarettprogramm brachte Asül 1996 auf die Bühne. Seither zahlreiche Preise.

Privates: Lebt in seiner Heimatgemeinde Hengersberg. Mehr verrät der passionierte Tennisspieler nicht.

Django Asül: Samstag, 20 Uhr, Bürgerhaus Vellmar-West, Karten: 0561/203-204. www.piazza.ddticket.de

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