Kabarettist Bruno Jonas im Interview: "Parteien sind das Langweiligste"

Man muss schon genau hinschauen, um Bruno Jonas nach seinem Ausstieg aus dem ARD-„Scheibenwischer“ noch im TV zu entdecken. Zuletzt war der Altmeister des deutschen Kabaretts im Bayerischen Fernsehen in „Die Klugscheißer“ zu erleben.

Das klingt derb. Dabei ist Jonas eher einer, der ohne große Worte auskommt und auch noch etwas zu sagen hat. Wir sprachen mit dem 58-Jährigen vor seinem Auftritt am 24. November in Wolfhagen.

Herr Jonas, wie gut, dass es Sie gibt. Ihr neues Programm heißt „Es geht weiter“. Dabei dachten wir nach all den Horrormeldungen zur Euro-Krise, dass vielleicht bald alles zu Ende sei.

Bruno Jonas: (lacht) Da müssen Sie keine Angst haben. Selbst bei den schlimmsten Währungskrisen geht es immer irgendwie weiter. Wenn ein Staat pleitegeht, wird halt alles auf null gestellt. Denken Sie an Deutschland 1949 oder die pleitegegangene DDR, die wir dann übernommen haben.

Sie raten zu Gelassenheit?

Jonas: Nehmen wir mal an, der Euro stürzt tatsächlich ab. Ginge ich dann am nächsten Tag auf die Straße, würde ich davon wahrscheinlich gar nichts merken. Okay, im Supermarkt könnte man vielleicht nichts kaufen, dann würden wir halt wie einst auf dem Schwarzmarkt mit Zigaretten bezahlen, was blöd wäre für die Nichtraucher. Aber ehrlich gesagt, kann ich Ihnen gar nichts raten. Ich mag es nicht, wenn sich Kabarettisten hinstellen und von oben herab die Welt erklären. Ich will mich nicht zu ernst nehmen.

In Ihrem Programm spielen Sie den Unternehmensberater Hubert Unwirsch, gegen den wegen Korruption ermittelt wird. Was ist er für ein Typ?

Jonas: Ein Schlawiner. Als Unternehmensberater ist er ein Beispiel für die Ausdifferenzierung unserer Gesellschaft, wie die Soziologen das nennen. Heutzutage gibt es ein massives Überangebot an Information, sodass wir uns nur dank Experten und Beratern orientieren können. Auf der anderen Seite muss es aber auch immer mehr Ahnungslose geben. Ich halte die Ahnungslosigkeit für ein signifikantes Merkmal unserer modernen Gesellschaft. Oder können Sie mir erklären, wie dieser Hebel beim Euro-Rettungsschirm funktioniert?

Leider nicht.

Jonas: Sehen Sie. Ich habe zuletzt einen Banker angerufen. Der hat mir das dann erklärt, aber verstanden habe ich es auch nicht.

In unserem letzten Interview haben Sie den Erfolg von Karl-Theodor zu Guttenberg erklärt. Nach dessen Rücktritt spielen Bayern keine Rolle mehr in der Berliner Republik. Machen Sie sich Sorgen um den Freistaat?

Jonas: Nein, ich denke, die CSU spielt nach wie vor eine gewichtige Rolle in Berlin. Allerdings bin ich kein Politikberater. Ich finde, Parteien sind so ziemlich das Langweiligste, was es gibt.

Wieso?

Jonas: Das ist alles so durchsichtig, was da passiert. Deshalb fand ich den Erfolg der Piratenpartei in Berlin interessant. Die lassen sich nicht in das übliche Rechts-links-Schema einordnen. Und als der Oberpirat auf die Verschuldung Berlins angesprochen wurde, hat er zugegeben, den Schuldenstand nicht zu wissen. Das ist eine souveräne Ahnungslosigkeit. Wenn Ahnungslosigkeit tatsächlich ein bedeutendes Merkmal unserer Zeit ist, dann braucht sie auch eine Vertretung im Parlament. Sollten die Piraten dieses Potenzial ausschöpfen, kriegen sie beim nächsten Mal locker über 50 Prozent.

Bruno Jonas tritt am 24. November, 20 Uhr, in der Kulturhalle Wolfhagen auf. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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