Kabarettist Josef Hader erhält den Satirepreis Göttinger Elch

Spricht über das Böse im Menschen: Josef Hader mit Elchsuppen-Dosen. Foto: Strunk

Göttingen. Es muss ein sehr unangenehmer Abend gewesen sein für Josef Hader am Samstag im Deutschen Theater in Göttingen. Der österreichische Kabarettist mag es nicht, wenn man ihn feiert.

Und dann musste er bei der Verleihung des Satirepreises Göttinger Elch ein ultimatives Lob nach dem anderen über sich ergehen lassen.

Der Schauspieler Joachim Król ist ihm schon länger verfallen, bezeichnete ihn in seiner Laudatio als „Rockstar ohne Band“ und bekannte: „Ich glaube Hader einfach alles.“ Die Jury urteilte: „Kein anderer versteht es wie er, Kopf und Herz anzusprechen, Komik und Ernst zu mischen, zwischen Erschauern und Verlachen zu wechseln.“ So ging das eine ganze Zeit, und als Hader endlich den Preis entgegengenommen hatte, eine gravierte Elchbrosche, 99 Dosen „Original Elch-Rahmsüppchen“ sowie 3333,33 Euro, atmete er auf und sagte: „Ich bin froh, dass es vorbei ist.“

Der 49-Jährige, der auch Schauspieler („Indien“, „Komm, süßer Tod“) und Autor ist, hat schon etliche Auszeichnungen bekommen, unter anderem den Salzburger Stier und einen Leoparden beim Filmfestival von Locarno. Nachdem der Elch die Tiersammlung vorerst komplettiert hatte, erzählte Hader, dass er nach vielen Auszeichnungen auf die Liste der bereits Prämierten schaue, was die Preise meist relativiere. In Göttingen sei es umgekehrt: „Dieser Preis relativiert mich.“ Das sagt einiges über den bescheidenen Wiener, den viele für den Besten seiner Zunft halten, und auch über Deutschlands einzige Satire-Auszeichnung.

Wie außergewöhnlich Hader ist, bewies er im zweiten Teil, als er Teile seines Programms „Hader spielt Hader“ spielte. Darin geht es um das Böse im Menschen, etwa den Kriminellen Josef Fritzl aus dem Provinzstädtchen Amstetten, in dem sie denken, dass es doppelt so viele Österreicher gebe, „die Hälfte davon sitzt im Keller“. Aber Hader entlarvt auch den „Rucola-Humanismus“ der linksliberalen Großstädter und die Schwarz-Weiß-Malerei des Kabaretts. „Das Leben verliert ein bisschen dadurch, dass man es kennenlernt“, heißt es am Ende.

Bevor Hader das Leben richtig kennenlernte, muss es für ihn übrigens noch hundertmal unangenehmer gewesen sein als bei der Elch-Verleihung. Der Schüler war dick, trug eine Brille und litt im Sportunterricht. Auch das fand Laudator Król bewundernswert: „Wir wären Freunde geworden in der Dunkelheit, wenn uns die anderen wieder in den Klassenschrank gesperrt hätten.“

Der Göttinger Elch wird seit 1997 verliehen und erinnert an den Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg. Bisherige Preisträger waren etwa Schriftsteller Robert Gernhardt, Übersetzer Harry Rowohlt, Kabarettist Emil Steinberger, Komiker Otto Waalkes sowie Schauspieler und Komiker Olli Dittrich. Alle erhielten 3333,33 Euro, eine silberne Elchbrosche und 99 Dosen „Original Göttinger Elch-Rahmsüppchen“. (mal)

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