Viel Applaus von den Gästen

Kabarettist als Provokateur: Florian Schroeder beim Sommer im Park in Vellmar

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Der Kabarettist als Provokateur: Florian Schroeder mir seinem Programm „Entscheidet Euch!“ in Vellmar.

Vellmar. Für Kabarettist Florian Schroeder ist die abendländische Wurzel allen Übels die Sucht nach Optimierung. Seine These: Die Menschheit ist dem unwiderstehlichem Drang nach Perfektion verfallen.

Heutzutage versucht man, die totale Kontrolle über sein Leben zu erlangen, um dann sukzessive Ziele und Pläne zu verwirklichen, die von den Politik- und Wirtschaftskapitänen als lohnendes Streben nach dem Glück definiert werden.

Das Internet fungiert dabei als Mogul der Datenspeicherung, und die Information ersetzt die Suche nach der Wahrheit. Parallel dazu werden Kinder schon früh auf Höchstleistungen gedrillt, das Qualitätspotenzial von Körper und Geist maximiert und Beziehungsmodelle strategisch kalkuliert.

Doch Schroeder ist kein Sozialwissenschaftler. Er erklärt diese Phänomene mit Beispielen, die die 600 Besucher des Vellmarer Festivals Sommer im Park humoristisch kräftig durchschüttelten. Wenn auch manche Behauptung des eloquenten Entertainers einigen Gästen mächtig gegen die eigene Meinung ruderte. Seine Einschätzung, dass die Diskussionen um die Homo-Ehe, Ehegattensplitting und Scheidungsrecht nur scheindemokratische Scharmützel sind, weil die Ärztin den Pfleger oder die Architektin den Bauarbeiter doch nie ranlassen würde, provozierte.

Auch sein Plädoyer für die völlige Abschaffung der Selbstreglementierung polarisierte. Wer fett sein will, soll sich vollstopfen dürfen. Wer sterben will, soll das Wann selbst entscheiden dürfen. Wer bei Rot über die Fußgängerampel gehen will, soll dies einfach machen. Schroeder schleuderte sein in Dialektsprache und mit Stimmenimitationen garniertes Gedankengut wie kiez-gefilterte Professorenvorträge von der Bühne.

Der niveauvolle Ansatz mündete des Öfteren unter der Gürtellinie, der logische Schabernack im Absurden. Respektlos offensiv attackierte er gängige Meinungen über Flüchtlinge, ließ die AfD über die intellektuelle Klinge springen und verfluchte den Kleinhandel-Killer Amazon. Schroeder brillierte in der Rolle des jung-dynamischen Zampano und hatte sich den überschwänglichen Applaus der Gäste redlich verdient.

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