Am 16. April kommt er in die Stadthalle Kassel

Kabarettist Rainald Grebe im Interview: "Ich bin ein analoges Schweinchen"

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Rainald Grebe

Bekannt geworden ist der Kabarettist Rainald Grebe mit skurrilen Liedern über die ostdeutschen Bundesländer. Vor zehn Jahren sang er: „Es gibt Länder, wo was los ist. Und es gibt Brandenburg.“ Mittlerweile ist der 42-Jährige ein gesamtdeutscher Kabarettstar, der von Publikum und Kritikern gefeiert wird.

Wir sprachen mit Grebe vor dem Auftritt mit seinem Orchester der Versöhnung am 16. April in der Kasseler Stadthalle.

Herr Grebe, Glückwunsch zum Weltmusikpreis Ruth, den Sie vor Kurzem bekommen haben. Hätten Sie gedacht, dass Sie einmal einen Weltmusikpreis bekommen würden? 

Rainald Grebe: Nein, aber ich hätte auch nicht gedacht, dass ich einmal den deutsch-polnischen Versöhnungspreis bekommen würde. Ich habe mich mit Polen noch gar nicht versöhnt. Den Preis kriegt man nur, wenn man schon mal da aufgetreten ist.

Was macht für Sie die Berliner Republik aus, nach der Sie Ihr neues Programm benannt haben? 

Grebe: Das ist schwer zu sagen. Berliner Republik ist so ein wabernder Nebelbegriff. Er klingt irgendwie gut, aber was er genau aussagen soll, weiß man nicht. Man versucht, so mondän und weltstädtisch zu sein. Dafür steht die gläserne Reichstagskuppel.

Sehnen Sie sich als Rheinländer manchmal nach der Bonner Republik zurück? 

Grebe: Nein, ich bin ja extra nach Berlin gezogen, um diesem Provinziellen zu entkommen. Die Bonner Republik war eine Hornbrillenrepublik.

Sie nennen Ihren Stil „Spiegel-Online-Junkies-Kabarett“. Was soll das denn sein? 

Grebe: Der Begriff war eine Art Selbstkritik. Ich lese täglich „Spiegel Online“, wo angeblich alles drinsteht, was in der Welt passiert. Aber mich macht es nicht satt. Es geht nur um knallige Zeilen, damit man gehört wird. Ich lese kaum noch längere Artikel. Meine Oberflächlichkeit geht mir auf die Nerven. Deshalb schreibe ich nach dem Surfen beispielsweise ein Lied über das Nichtwissen. Das ist für mich wie eine Kur.

Sie sind auch bei Facebook aktiv, aber wahrscheinlich wurden Sie von Ihrer Plattenfirma dazu gezwungen, oder? 

Grebe: So ist es. Ich bin so ein analoges Schweinchen. Bei Facebook postet man etwas, und sofort antworten 800 Leute darauf. Das ist mir zu viel. Mir reicht mein kleiner Freundeskreis.

Sie sind einer der wenigen, die sowohl im „Quatsch Comedy Club“ als auch im Theater zu Hause sind. Wie schaffen Sie diesen Spagat, so dass es egal ist, ob es U- oder E-Kultur ist? 

Grebe: Das hat sich so ergeben. Ich freue mich, dass mich die Theater auftreten lassen. Sonst gehen wenige junge Leute ins Theater, deshalb wollen mich die Häuser haben. Ob meine Besucher sich dann aber auch die nächste Büchner-Inszenierung anschauen, das weiß ich nicht.

Angefangen haben Sie als Puppenspieler und Theaterdramaturg. Können Sie es selbst noch fassen, wenn Sie nun die Berliner Wuhlheide füllen? 

Grebe: Das ist schon sehr luxuriös. Ich mache nur meinen Kram und muss mich nicht verbiegen. Und dennoch ist es offensichtlich massenkompatibel. Das ist ein Geschenk.

Berühmt geworden sind Sie mit Ihren bösen Liedern über Brandenburg und die anderen ostdeutschen Bundesländer. Jetzt leben Sie selbst auf einem Bauernhof in der Nähe von Berlin. Wie passt das zusammen? 

Grebe: Für mich widerspricht sich das nicht. Ich bin übrigens sehr gut aufgenommen worden in Brandenburg. Das Lied hat mir nicht geschadet. Die Menschen dort sind sehr humorvoll. Aber nur dort leben könnte ich auch nicht. Ich brauche beides: das Leben in der Stadt und die Ruhe auf dem Land.

Rainald Grebe & Das Orchester der Versöhnung: 16. April, 20 Uhr, Stadthalle Kassel. Tickets HNA-Kartenservice, 0561/203-204. Das Album „Die Berliner Republik“ ist bei Versöhnungsrecords erschienen.

Von Matthias Lohr

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