Kabarettist Schafroth: „Horst Seehofer schmeckt salzig“

Maxi Schafroth wuchs auf einem Bauernhof auf und macht sich als Kabarettist über Städter lustig, die sich als Innenstadtförster verkleiden. Damit ist der Bayer nun auch im Norden erfolgreich.

Orte nördlich des Mains sind noch Neuland für Maxi Schafroth. In seiner Heimat Bayern hat sich der 30-Jährige mit Kabarett und lustigen Liedern über das Landleben schon länger einen Namen gemacht. Erst seitdem er 2013 den renommierten Prix Pantheon in Bonn gewann, füllt er auch im Norden die Säle. Wie sprachen mit Schafroth, der am 17. April mit seinem Programm „Faszination Allgäu“ in Vellmar gastiert.

Herr Schafroth, wie ist es, Horst Seehofer zu küssen? Beim Münchner Nockherberg-Singspiel im Februar haben Sie dem bayerischen Ministerpräsidenten als verkleidete Conchita Wurst ein Busserl gegeben.

Maxi Schafroth: Es war ein wunderbares Gefühl. Er schmeckte etwas salzig. Wahrscheinlich war er aufgeregt. Innerlich fand er es sicher furchtbar, denn Conchita Wurst steht als Symbol für eine liberalere Welt. Aber äußerlich hat er sich nichts anmerken lassen. Man sah nur sein verschmitztes Seehofer-Lächeln.

Ihr Heimatort Stephansried im Allgäu hat zwei berühmte Persönlichkeiten hervorgebracht: den Wasserdoktor Sebastian Kneipp und Sie. Wie war Ihre Kindheit als Bauernsohn auf dem Land?

Schafroth: In so einem 90-Seelen-Mikrokosmos muss man schon parieren und die ländlichen Werte mittragen. Sonst hat man eine Front von rosenkranzbetenden Omas und Herren in Lodenjankern gegen sich. Da ist das Rebellieren schwierig. Darum habe ich als Sechsjähriger zum Kneipp-Geburtstag vor der versammelten CSU Gedichte vorgetragen. Mit elf habe ich mir aber die Haare grün gefärbt. Zum Glück habe ich liberale Eltern. Wenn die anderen sagten, so etwas macht man nicht, antworteten sie: Wir sind aber nicht man.

Auf der Bühne machen Sie sich mit dem Gitarristen Markus Schalk, der auf dem Nachbarhof aufwuchs, über Städter und Dorfbewohner lustig. Ist das Leben auf dem Land heute noch so viel anders als in der Stadt?

Schafroth: Sicherlich nicht mehr so wie vor 20 Jahren, aber es gibt schon noch Unterschiede. Auf dem Land werden Neuerungen kritischer hinterfragt. Man ist bodenständiger. Und ein Völlegefühl ist nicht gleich Laktoseintoleranz, man sagt sich: „Mei, hab ich viel gefressen, bin ich voll.“ In der Stadt wiederum verklärt man das Landleben. Unternehmensberater verkleiden sich als Innenstadtförster und fahren mit dem SUV raus, um sich die Landbevölkerung anzuschauen. Ich wollte schon als Kind immer in die Stadt. Jetzt lebe ich seit elf Jahren in München. Ich bin immer noch gern bei meinen Eltern, aber auch froh, wenn ich nach vier Tagen wieder nach München fahre.

Schon als Kind waren Sie Klassenclown. Ihre Lehrerin hat ihre ersten Auftritte im Klassenraum sogar mitgeschnitten.

Schafroth: Ich habe immer gern Quatsch gemacht. Meine Lehrerin hat meine Geschichten aufgenommen und gesagt: „Wenn du 50 bist, bekommst du die Kassetten.“ Leider habe ich keinen Kontakt zu ihr. Vielleicht meldet sie sich, wenn sie das hier liest.

Maxi Schafroth: 17. April, 20 Uhr, Piazza Vellmar, Brüder-Grimm-Straße. HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Zur Person 

Geboren: am 2. April 1985, aufgewachsen in Stephansried im Allgäu

Ausbildung: zum Bankkaufmann sowie Drehbuchautor. Derzeit studiert er auch BWL.

Karriere: Erste Kabaretterfahrungen machte Schafroth 2007 im Vereinsheim München. Er war in Marcus H. Rosenmüllers „Sommer der Gaukler“ und 2012 im Münchner „Tatort“ zu sehen. Außerdem dreht er eigene Filme.

Privates: ledig, lebt in München.

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