Drei kurzweilige Stunden im ausverkauften Festival-Zelt

Die Philosophie des Furzens: Kabarettist Torsten Sträter beim Sommer im Park in Vellmar

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Der Kabarett-Mann mit der Mütze: Torsten Sträter beim Sommer im Park in Vellmar.

Vellmar. Bekannt wurde Torsten Sträter als Poetry-Slammer, mittlerweile füllt der Kabarettist große Hallen. Beim Sommer im Park bewies er, dass man auch über Körpergeräusche intelligente Gags machen kann.

An einem heißen Abend wie am Dienstag muss Torsten Sträter nur ein einziges Wort sagen, um seine Zuhörer in Vellmar zum Lachen zu bringen: "Mütze." Die schwarze Beanie-Kopfbedeckung ist das Markenzeichen des Kabarettisten. Sie sieht nach Trendsport aus, ist aber gelinde gesagt etwas unpraktisch im heißen Festival-Zelt beim Sommer im Park.

Ungefähr jede Viertelstunde wischt sich Sträter mit einem Handtuch den Schweiß aus dem Gesicht. Wer cool sein will, muss leiden. Dabei wäre der 50-Jährige auch ohne Mütze ziemlich cool - wenngleich sein Stoff, Pardon, ein alter Hut ist.

Bekannt wurde der ausgebildete Herrenschneider und ehemalige Verkäufer als Poetry-Slammer. Heute handeln seine Texte, ob vorgelesen oder vorgetragen, von den kleinen Dingen im Leben, die er satirisch gekonnt zu etwas Großem macht: dem All-Inclusive-Urlaub auf Gran Canaria, dem Einlösen von Sanifair-Punkten und der eigenen Familie, die im Ruhrgebiet eine Spedition betreibt.

Politik, sagt Sträter selbst, kann er nicht. Einmal redet er kurz über die EU. Die Pointe lautet: "Dachten Sie auch immer, EU würde eu ausgesprochen?" Politik sollen andere machen, etwa Dieter Nuhr, durch dessen TV-Formate Sträter so bekannt wurde, dass die knapp 1000 Karten in Vellmar ratzfatz weg waren.

Ob sein Programm "Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein" oder ganz anders heißt, ist schnuppe. "Worum es geht, erschließt sich Ihnen eh erst nächsten Dienstag", sagt Sträter. Rote Programmfäden, das lernt man hier, werden komplett überschätzt. Trotzdem gibt er seinen Fans wichtige Botschaften mit auf den Weg. Spätestens seit seiner Prostatauntersuchung weiß Sträter etwa: "Egal, ob du ein Mensch bist oder eine Kuh - es ist nie gut, wenn du in einen gekachelten Raum geführt wirst."

Seine Familie schlachtet der gebürtige Dortmunder, der den Pott nie verlassen hat, genüsslich aus. Er erklärt, woher der Begriff Hottentotten kommt, den seine vor drei Jahren gestorbene Mutter gern verwendete. Nämlich von den Buren, die so die Afrikaner bezeichneten, was ungefähr so ist, als würde man zu Schalke "Arschlochpimmelmannhausen" sagen.

Manchmal sagt Sträter: "Leck mich fett." Er kann genüsslich über seine Art zu furzen philosophieren ("Mein Bauch hat den Resonanzraum eines großen Cellos"). Und wenn er als Sprachkritiker feststellt, dass Scheide ein zu technischer Begriff sei und wie ein Urlaubsort klinge ("ich war in Scheide am Bodensee"), muss das begeisterte Publikum Tränen lachen.

Trotzdem ist Sträter kein Ruhrpott-Proll. Eine seiner besten Geschichten handelt davon, wie er seiner toten Mutter weiterhin SMS schreibt - bis sich irgendwann ein Tarek aus Frankfurt meldet, dem mittlerweile Mamas Handynummer gehört. Selbst im Ernsten entdeckt Sträter das Komische.

Von seinen Kabarettkollegen hat er gelernt, dass man immer nur bis kurz nach zehn spielen soll, damit die Gäste noch ein bisschen hungrig nach Hause gehen. Sträter indes zündet seine Gags fast bis um elf. Trotzdem denkt man am Ende, dass es ruhig noch eine Stunde hätte weitergehen können. Aber dafür war es unter der Mütze einfach zu warm.

Hier ist das Programm des Vellmarer Festivals Sommer im Park.

Torsten Sträter tritt am 11. Juni 2018 im Wolfhager Kulturzelt auf. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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