Neue Orgelmusik in der Martinskirche

Kabinett der Träume

KASSEL. Wo waren denn all die Kunst- und Musikstudenten geblieben, die aufregende Dinge jenseits des Mainstreams lieben? Wer abgefahrene Sounds etwa von Björk mag, wäre auch bei der Orgelnacht beim Festival „Neue Musik in der Kirche“ auf seine Kosten gekommen. Zum spannenden, kreativen Klanglabor wurde die Martinskirche beim Auftritt dreier hochkarätiger Organisten - ein Ereignis, das vor allem Insider und Berufsmusiker mitbekamen.

Carsten Wiebusch (Karlsruhe) reiste von der Spätromantik in die Gegenwart, machte auch bei György Ligeti Halt, dessen faszinierend irrwitzige Konstruktionen immer ein wenig an Grafiken von Maurits Cornelis Escher erinnern. Dominik Susteck (Köln) improvisierte durch selbst gestellte Titel wie „Unterwelt“ oder „Traumkabinett“, was einem psychedelischen Trip glich.

Zum krönenden Abschluss beeindruckte der emeritierte Freiburger Orgelprofessor Zsigmond Szathmáry mit einem Spiel, das neue Klänge, messerscharfe Virtuosität und rhythmischen Drive verband. Nach seiner eindrucksvollen Komposition „Strophen“ für Orgel und Tonband ließ er in seiner Bearbeitung von Modest Mussorgskis sinfonischer Dichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ die Hexen tanzen, um noch den fantastischen Humor Mauricio Kagels zu zelebrieren. Kräftiger Beifall.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.