Mit dem Kästchen auf dem Sofa: Der Kindle im Praxistest

Der Alltagstest auf dem Sofa: Bettina Fraschke las zwei Wochen lang Bücher und Zeitungen mit dem Kindle Touch. Foto: Schwarz

Lohnt sich für mich der Kauf eines E-Book-Lesegeräts? Macht es Spaß, damit zu schmökern? Kommt man beim Lesen problemlos mit der Technik klar? Wir probierten es aus. Ein ganz persönlicher Erfahrungsbericht zum gerade erschienenen Amazon Kindle Touch.

Erster Eindruck

Schick, schlank, designig: Das graue Kästchen flößt erstmal Respekt ein. Zunächst ist es noch ein Fremdling auf unserem Esstisch. Schalte ich das Gerät am einzigen Knopf an (das kapiert man blitzschnell), kennt das Kistchen bereits meinen Namen und nennt sich „Bettinas Kindle“. Klar, die Registrierung im Internet bei Amazon ist schon vorab geschehen. Kein Setup ist erforderlich. So kann das Lesen gleich losgehen. Fein.

Halten, Schalten, Walten

Leicht und handlich ist das Lese-Kästchen wirklich. Ich muss aber erstmal üben, wie ich das taschenbuchgroße Ding am besten festhalte - auf dem Sofa und beim Lesen im Bett. Hoch- oder querformatig, beides ist möglich. Und es gelingt mit der Zeit auch, dass mein kleiner Finger nicht mehr taub wird, weil er unentwegt die Kiste nach unten hin abstützen will. Eine freie Hand braucht man halt, weil es sich ja erstmals um ein Touch-Display handelt. Ich blättere also nicht mit einem Tastendruck um, sondern durch Tippen auf dem Bildschirm. Das geht sehr sanft, aber eine gewissen Phase der Orientierung brauchte ich dafür schon. Anfangs war ich verloren in Buchstabenmeeren, weil das Ding auf einmal mehrere Seiten weiterblätterte oder zurücksprang. War ich da nicht zart genug?

Lesen

„Weshalb sollt’ ich dulden / Die Plagen der Gewohnheit“ lese ich bei Shakespeares „König Lear“, meinem ersten Download auf den Kindle. Und die Frage passt natürlich zum neuen Medium und zum möglichen Abschied vom gedruckten Buch. Das Display mit der elektronischen Tinte ist sehr augenfreundlich. Als Schnell-Leserin habe ich mit ein paar Fingertippern allerdings erstmal die Schrift ganz klein gestellt, damit ich seltener blättern muss. Denn Blättern heißt, dass der Bildschirm kurz schwarz wird, und das macht keine Freude. Das ist allerdings bei allen E-Readern so, alle Hersteller bemühen sich, diese schwarzen Blitze kurz zu halten.

Navigieren

Karg und damit übersichtlich ist die Menüführung auf dem Kindle. Ein Tippen oben am Bildschirmrand blendet die Menüleiste ein, von da kann ich mich weiterklicken. Die jeweils letzte gelesene Seite wird gespeichert, damit ich dort wieder schnell hinfinde. Ich kann mehrere Bücher parallel lesen und das Gerät weiß immer, wo ich zuletzt war. Es gibt Wörterbücher, und ich finde ein Benutzerhandbuch vor, das allerdings noch kleine sprachliche Schwächen hat - vermutlich übersetzungsbedingt. Hier ist statt vom Blättern vom „Seiten drehen“ die Rede.

Der Shop

Wer den teureren Kindle Touch 3G kauft, kann damit WLAN-unabhängig überall ins Internet gehen und im Kindle-Shop Bücher oder Zeitungen einkaufen. Die werden in Sekunden heruntergeladen, die Kosten für die Mobilfunkleitung übernimmt Amazon. Das ist komfortabel. Aber die Navigation im Shop ist recht langwierig. Das Tippen von Suchanfragen auf der virtuellen Tastatur geht bei meinem Smartphone deutlich schneller. Trotzdem werden auch technikferne Menschen sich schnell zurechtfinden.

Fazit

Das Gerät hat kleine Schwächen. Komplett auf gedruckte Bücher verzichten wollte ich nicht, aber für viele reicht es völlig aus. So wurde der elegante Fremdling schnell ein gern gesehener Gast auf meinem Nachttisch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.