Wie der deutsch-iranische Musiker Amos das angeblich größte Kunstprojekt der Pop-Geschichte schuf

Der Kaiser aus Eschwege

Andere Musiker kriegen nicht einmal ein gutes Cover hin: Amos alias Amir Sufi (34) hat für sein Album „Showtime“ gleich mehr als 450 anfertigen lassen. Auch die Werke der Kasseler Künstler (von oben links im Uhrzeigersinn) Markus Färber, Fabian Hilbich (Hot Cheese Crew), Rainer M. Stoff und Michael „Hank“ Becker sind Teil des Projekts. Fotos: Lohr / nh

Kassel / München. Amos hat keine Angst vor großen Worten. Von dem aus Eschwege stammenden Musiker stammt der Satz: „Wenn Michael Jackson der König des Pop ist, bin ich der Kaiser des Pop.“ So eine größenwahnsinnige Ironie ist nicht schlecht im Pop-Geschäft. Und es kommt noch besser. Nun hat der 34 Jahre alte Wahl-Münchner „das größte Do-it-Yourself-Projekt“ in der Geschichte des Pop auf die Beine gestellt, wie es Gregor Samsa nennt.

Samsa hat in Kassel die kleine Plattenfirma Sounds of Subterrania gegründet, mit der er vor zwei Jahren nach Hamburg gezogen ist. Fürs neue Album „Showtime“ seines Schützlings Amos hat er von mehr als 450 Künstlern Cover anfertigen lassen. Die Bilder gibt es nur als Vinyl-Plattencover, sie sind Pop-Art im eigentlichen Sinn und durchaus kostbar. Das teuerste Cover von der Hamburgerin Claire Walka kostet 20 000 Euro. Die Ausgabe mit dem Werk des Kasselers Markus Färber gibt es für 200 Euro. Musiker und Künstler teilen sich jeweils die Einnahmen.

„Showtime“ ist ein spektakuläres Projekt zum Thema Selbstinszenierung - und Amos, der eigentlich Amir Sufi heißt, ist ein Meister darin. Als Kind sorgte der Sohn eines iranischen Arztes und einer deutschen Künstlerin mit Klavier-Auszeichnungen beim Wettbewerb Jugend musiziert für Aufsehen. Später trat er mit seiner Punkband Trashkids als Vorgruppe der nordhessischen Punk-Helden The Bates auf.

Nach dem Abitur studierte er in München Design und machte sich als „Kaiser des Pop“ einen Namen. „Imperator of Pop“ hieß 2007 sein erstes Album. Sein selbst gedrehtes Video zur Pop-Nummer „I Can’t Stop My Feet“, in dem er im Glitzerkostüm tanzte, wurde ein Renner im Internet. Bei den MTV Europe Music Awards in München verteilte Amos Sticker, die auf seinen Gratis-Song „MTV Is Killing Me“ hinwiesen. Sogar MTV-Moderator Steve Blame war aus dem Häuschen. Außerdem trat er in Leander Haußmanns Kino-Komödie „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ auf.

Nach einem Abstecher in die elektronische Musik entdeckt der Multiinstrumentalist nun seine Rockwurzeln wieder. „Showtime“ hat er mit der Eschweger Band Bitune aufgenommen. Die elf Songs klingen nach 80er-Jahre-Rock von Bands wie Queen und Foreigner. Amos kennt keine Genregrenzen: „Entscheidend ist nicht der Sound, sondern die Idee.“

Von denen hat er eine Menge, weshalb er sogar einen Vertrag beim Plattenriesen Warner ausschlug und bei seinem Kumpel Samsa blieb. Als Musiker kann er nur überleben, weil er auch als Grafik- und Webdesigner für Firmen wie Adidas arbeitet. Es sind schwierige Zeiten für Popstars, aber Amos sagt mit einem Augenzwinkern: „Hätte Michael Jackson damals meine Songs und Videos gehabt, wäre er genauso erfolgreich geworden.“

Amos tritt morgen, 23 Uhr, im Kasseler A.R.M., Werner-Hilpert-Straße 22, auf. Die Vernissage mit 50 Covern beginnt um 19 Uhr in der Galerie Loyal nebenan. www.amos-showtime.com

Von Matthias Lohr

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