Der Kaiser geht in Rente

Dürrenmatts „Romulus“ an der Lichtenberg-Schule

Starkes Stück: Janik Waidner (von links), Matthias Hollmann, Milena Berdelsmann, Lucas Krug, Lena Rühl, Isabell Halberstadt, Carsten Ströhmer und Richard German. Foto: Wienecke

Kassel. Tosenden Applaus gab es von den 60 Gästen der Premiere von „Romulus“ im voll besetzten Theatersaal der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule.

18 Monate haben die 17 bis 19 Jahre alten Teilnehmer des Kurses Darstellendes Spiel (Q3) des Lehrers Markus Strube an dem Stück gearbeitet und es stark gekürzt.

Anders als in der Komödie „Romulus der Große“, in der Friedrich Dürrenmatt frei mit den geschichtlichen Hintergründen des Jahres 476 umgeht, züchtet Roms letzter Kaiser Romulus hier nicht Hühner, sondern Bienen. In Bademantel und Schlappen hockt er, dargestellt von Lucas Krug, frühstückend vor dem Fernseher.

Romulus möchte die Weltgeschichte nicht stören: „Man steckt eine Welt nicht in Brand, die schon verloren ist.“ Seine Gattin Julia (Milena Berdelsmann) akzeptiert das nicht. „Ich schäme mich“, schleudert sie ihm entgegen. Auch Ämilian (Janik Waidner) fordert Aufklärung. „Ich habe Rom absichtlich dem Untergang geweiht“, antwortet der Kaiser, der sein Reich als unmoralisch einstuft.

Der Hosenfabrikant Cäsar Rupf (Richard German) bietet ein Vermögen, um Rea (Lena Rühl), Tochter Romulus’, heiraten zu können. Nur er könne Rom retten, fleht Rea. Schließlich will auch der langjährige Kammerdiener Pyramus (Matthias Hollmann) den Kaiser verlassen.

Der erste eintreffende Germane (Isabell Halberstadt) wird beäugt und bestaunt. Auch er liebt die Bienenzucht und gibt sich später als Fürst Odoaker zu erkennen. Das ständige Summen der Bienen verstummt, als sich der Sieger überraschend unterwirft. Er möchte nicht, dass die Germanen ein Volk der Helden werden. Doch Romulus, dessen Familie inzwischen ertrunken ist, lehnt ab und geht in Rente. Odoaker nimmt seinen Platz vor dem Fernseher ein. Ein gelungenes Spiel um das menschliche Scheitern.

Auch Mittwoch, 19.30 Uhr, Lichtenberg-Schule, Brückenhofstr. 88.

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