Kammerorchester mit Gespür für Schmelz

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Judith Gerdes

Kassel. Viel nahmen sich das Harleshäuser Kammerorchester und sein Leiter Matthias Enkemeier für ihr Pfingstkonzert in der Erlöserkirche vor. Das verhieß Spielfreude - und war in der ersten Hälfte ein klangreicher Kurs in Sachen Richard Strauss.

Denn da servierte man Musik aus zwei Schaffensperioden des begnadeten Melodienerfinders.

Liebenswürdig ging es zu bei der Bläserserenade Es-Dur op. 7, die Strauss als Teenager geschrieben hatte. Die 13 Bläser verpassten auch nicht die Gelegenheit, den drängenden Ges-tus der steigernden Passagen auszuspielen. Aber es wurde noch betörender - mit dem 64 (!) Jahre später entstandenen Oboenkonzert, das allenfalls die Frage aufwirft: Wie konnte Strauss 1945 eine Musik von solch spätsommerlicher Schönheit schreiben?

Das Kammerorchester bewies oftmals viel Gespür für den Schmelz des Meisters, doch der Löwenanteil des Erfolgs lag bei der Oboensolistin Judith Gerdes. Mit Noblesse brachte sie die Skala vom Bukolischen bis zum sanft Burlesken zum Klingen.

Einen ähnlichen Mut vonseiten der Interpreten erforderte die Zweite Sinfonie von Johannes Brahms. Gerade das Strömende in dessen Musik wurde engagiert übermittelt. Besonders gut gelang der tänzerische Elan des dritten Satzes, in dem einmal mehr die Holzbläser punkteten. So gab’s wieder herzlichen Beifall für Matthias Enkemeier und die Instrumentalisten in der gut besuchten Erlöserkirche. Positiv außerdem: Auch einige Kinder, nicht immer bei der „strengen“ Klassik anzutreffen, zählten zu den Zuhörern.

Von Georg Pepl

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