Ägyptische Theatergruppe tritt heute in Kassel auf

Der Kampf geht weiter

Künstlertruppe aus Ägypten: Regisseur Shady El-dali (von links), Shehabeldin Hassan, Ahmed Yahya, Mahmoud Maher und Summer Galal. Foto: Schneider

Kassel. Die Deutschen sind streng, gut organisiert, in sich gekehrt und können gut Fußball spielen. Mit diesen Erwartungen kam eine achtköpfige Theatergruppe, bestehend aus Kunststudenten aus Ägypten, im Temporary Home in Kassel an. Heute Abend führen sie in dem als Kunstprojekt umfunktionierten Haus ihr Stück „Not Yet“ auf.

In dem Musiktheater verarbeiten die Ägypter ihre Erfahrungen mit der ägyptischen Revolution. Eine Revolution, die aus Sicht von Shady El-dali (33) gar keine war. „Der Kampf geht weiter“, sagt El-dali. Denn vor allem die junge Generation fühlt sich übergangen. An den Zuständen im Land habe sich nichts geändert, noch immer seien die alten Machtstrukturen allgegenwärtig. „Wir sind enttäuscht“, sagt er. Zum ersten Mal ist das eigentlich 25-köpfige Ensemble in Deutschland. Das Theater hatte sich an einer internationalen Ausschreibung des Temporary Home beteiligt und den Zuschlag bekommen.

Das Stück schrieben die Künstler in Kassel, es geht um die individuellen Erfahrungen der Ägypter mit der Revolution im Land. Die Situation für das unabhängige Theater in Ägypten ist schwierig. Wobei das noch eine Untertreibung ist. „Es ist sehr schwer für uns, passende Räumlichkeiten zu bekommen“, sagt Regisseur El-dali. Er gibt dafür ein Beispiel. Für einen Auftritt vor 900 Leuten in Kairo bekam jeder Schauspieler umgerechnet zehn Euro. Der Rest verblieb beim Veranstalter. „Die zweigen dann schon mal bis zu 70 Prozent ab“, sagt El-dali.

Die Eintrittskarten in Ägypten sind für unsere Verhältnisse erschwinglich. Sieben Euro kostet im Durchschnitt ein Ticket in einem professionellen Theater. Eine Vorstellung des Independent-Theaters kann man hingegen schon für etwa 1,50 Euro sehen. Zum Vergleich: Eine Kinokarte kostet in Ägypten zwei Euro. Von Deutschland und Kassel selbst sind die jungen Künstler begeistert. Vor allem Mahmoud Maher (21), der endlich in dem Land ist, dessen Fußballhelden er alle vom Spielen mit der Playstation kennt.

Das Theaterstück „Not Yet“ gibt es heute um 21 Uhr und am Samstag um 20 Uhr im Temporary Home, Sickingenstr. 7-9 in Kassel, zu sehen. Das Stück ist in englischer und arabischer Sprache. Der Eintritt ist frei.

Von Daniel Schneider

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