Mädchenschwarm Ben Barnes spielt die Hauptrolle im Gruselfilm „Das Bildnis des Dorian Gray“

„Kampf um Jugend ist aktuell“

Als „Prinz Kaspian von Narnia“ ließ Schauspieler Ben Barnes so manches Mädchenherz höher-schlagen, nun schlüpfte der 28-jährige in die Rolle des ultimativen Schönlings. In Oliver Parkers Version von Oscar Wildes Schauermär „Das Bildnis des Dorian Gray“ verkörpert der Brite ab dieser Woche den Titelhelden, der nicht altert, weil ein Porträt seiner selbst diese Aufgabe für ihn übernimmt.

Was hat Sie an der Figur Dorian Gray fasziniert?

Ben Barnes: Wir Menschen sind von unserem Aussehen besessen, seit den gepuderten Perücken der Renaissance bis zum Botox unserer Tage. Der Kampf um die Bewahrung der Jugend ist aktuell wie nie. Dorians Niedergang ist faszinierend. Er wird zur 46-jährigen, leeren Hülle eines Mannes, weil nichts, was er getan hat, eine Spur in seinem Gesicht hinterlassen hat - ein interessantes Konzept. Mich hat die Macht interessiert, die eine dauerhafte Jugend mit sich bringt. Dorian übernimmt keine Verantwortung für die Sünden, die er begeht, und er überträgt die Vergänglichkeit einfach auf sein Porträt.

Ihr Film ist für ein jugendliches Publikum gemacht. Dorian als Vorbild für die Teenager von heute?

Barnes: Wenn die Geschichte einen didaktischen Ansatz hat, dann diesen: Es ist sehr gefährlich, auf die Macht des guten Aussehens und des Ruhms zu setzen, denn sie sind sehr zerbrechlich und nicht real. Dorian stirbt einen schrecklichen Tod. Viele junge Menschen sagen, sie möchten berühmt werden. Sie sagen nicht, ich will Sänger werden, sie wollen einfach berühmt sein. Das ist gefährlich.

Als erfolgreicher Schauspieler haben Sie heute mehr Macht als zu Beginn Ihrer Karriere. Hat Sie das verändert?

Barnes: Ich traue mir heute schwierigere Rollen zu. Ich bin erwachsener geworden, aber das ist in einem Alter zwischen 23 und 28 ganz normal. Es ist schön, große Filme im Rücken zu haben, wenn man sich um eine Rolle in einem kleineren Film bewirbt.

Wie viel Zeit investieren Sie in Ihr Aussehen?

Barnes: Null. Ich habe nicht die geringste Ahnung von Mode. An einem Drehtag ist der Aufwand enorm, vom Aussehen der Figur, die ich darstellen soll, bin ich besessen.

Hatten Sie Bedenken, die Orgien-Szenen zu drehen?

Barnes: Am allerersten Tag reklamierte ich, dass man mir kein Kostüm gebracht hatte. Man sagte, ich bräuchte heute kein Kostüm. Am diesem Tag drehte ich die Szene mit Rachel Hurd-Wood als Sybil. Sie ist gerade mal achtzehn Jahre alt, und ich glaube, für sie war es schlimmer als für mich. Mir macht das nicht so viel aus, aber ich fand es grausam. Da stehst du vor 20 Leuten und sagst: „Hallo, das bin ich.“

Gewöhnt man sich daran?

Barnes: Am ersten Tag war ich nervös, aber das wäre ich auch gewesen, wenn ich in der Szene nur dagesessen und gelesen hätte. Am Ende war es eher so: Okay, drei Mädels und ein Typ, ein Messer und du ziehst dieses Ding an, von dem du nicht einmal genau weißt, was es eigentlich ist. Dann wird man schon abgebrüht.

Warum sind düstere, romantische Geschichten wie „Dorian Gray“ oder „Twilight“ momentan solche Publikumsrenner?

Barnes: Tatsächlich war ich erst für die Hauptrolle in „Twilight“ im Gespräch. Aber es hieß, ich sei zu alt. Ich kann diese Obsession für Vampire nicht erklären. Für mich waren die „Twilight“-Bücher Metaphern für Keuschheit.

Durften Sie Ihr Dorian-Gray-Gemälde behalten?

Barnes: Nein. Aber was sollte ich auch damit anfangen? Ich kann es mir ja schlecht übers Bett hängen.

Von André Wesche

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