Neu im Kino: In Bolivien spielt „Und dann der Regen“

Kampf ums Wasser

Politische Widersprüche sind nicht aufzulösen: Sebastian (Gael García Bernal) spielt einen Filmregisseur, der in Südamerika arbeitet. Foto:  nh

Die Kriege der Zukunft - so prophezeien die Krisenforscher - werden nicht nur ums Öl, sondern vor allem um die Wasserressourcen geführt werden.

Einen Vorgeschmack konnte man im bolivianischen Cochabamba im Jahr 2000 bekommen. Auf Druck der Weltbank wurde dort die staatliche Wasserversorgung privatisiert und an einen US-Konzern verkauft.

So stieg der Wasserpreis um 300 Prozent, was zu massiven Auseinandersetzungen führte, aus dem die Protestbewegung siegreich hervorging. Icíar Bollaíns Film „Und dann der Regen“ erzählt von diesen Kämpfen, aber auch von Kolumbus, der ein halbes Jahrtausend zuvor die Ureinwohner auf der gierigen Suche nach Gold unterworfen hat, sowie von einem spanischen Filmteam, das in Bolivien einen Film über die Untaten der Konquistadoren drehen will.

Sebastián (Gael García Bernal) ist ein junger, idealistischer Filmemacher, der die wahre Geschichte von der grausamen Eroberung Südamerikas erzählen will. Ein ambitioniertes Projekt, das ein hohes Budget erfordert. Deshalb hat Produzent Costa (Luis Tosar) den Dreh nach Bolivien verlegt, denn dort sind Komparsen billig zu haben.

Für die Rolle des rebellischen Indioführers Hatuey wählt Sebastián Daniel (Juan Carlos Aduviri) aus - ein kleiner, zäher Mann mit einem entschlossenen Blick. Dass er auch im wirklichen Leben bei der Protestbewegung in Cochabamba der Rädelsführer ist, ahnt der Regisseur nicht.

Die spanische Filmemacherin Icíar Bollaín, die hier ein Skript des langjährigen Ken-Loach-Drehbuchautoren Paul Laverty in Szene setzt, verflicht die verschiedenen thematischen Ebenen zu einem spannenden Drama, in dem direkte politische Aktion, historische Exkurse sowie Debatten über die Möglichkeiten und Grenzen der Filmkunst gleichermaßen verhandelt werden. Dem Film gelingt es, die verschiedenen Ebenen und Figuren gleichermaßen ernst zu nehmen.

Die oftmals eigennützigen Positionen des idealistischen Regisseurs und des pragmatischen Produzenten werden nicht an den moralischen Pranger gestellt, sondern durch die tatsächliche Entwicklung vor Ort in unaushaltbare Widersprüche getrieben. Die inhaltliche Vielschichtigkeit findet ihre Entsprechung in der kraftvollen visuellen Umsetzung, in denen ruhige und poesievolle Bilder neben rasanten, dokumentarisch anmutenden Szenen stehen. „Und dann der Regen“ ist kein didaktisches Lehrstück, sondern ein vitales politisches Drama, wie man es viel zu selten im Kino findet.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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