Der australische Ausnahmegitarrist Tommy Emmanuel in der Kasseler Stadthalle

Er kann einfach alles

Hat noch mehr zu bieten als eine grenzenlose Spieltechnik: Bei Tommy Emmanuel fühlt man sich auch mit geschlossenen Augen wunderbar unterhalten. Foto: Schoelzchen

Kassel. Bei vielen virtuosen Instrumentalisten unserer Zeit hat man trotz makelloser Technik und scheinbar grenzenlosen spieltechnischen Möglichkeiten das Gefühl, dass etwas Wichtiges in den Konzerten fehlt. Der Stargitarrist Tommy Emmanuel gehört nicht zu dieser Kategorie Künstler.

Sicherlich ist es auch bei ihm ein Vergnügen, einfach nur zuzusehen, wie er mit scheinbarer Leichtigkeit alle nur erdenklichen Techniken wie Picking, Tapping, Flageolett und Flamencotechniken in die Stücke einbindet. Genauso schön war es am Freitagabend in der Kasseler Stadthalle, wenn der Australier zu einer seiner wunderschönen Balladen ansetzte oder einen Song a-capella ohne seine Gitarre anstimmte.

Anders als bei einigen anderen Ausnahmeinstrumentalisten fühlte man sich bei Tommy Emmanuel auch mit geschlossenen Augen wunderbar unterhalten. Dabei verzichtete der 54-Jährige häufig auf Ansagen zwischen den Songs und stellte damit vor allem seine Musik in den Mittelpunkt. Etwas anderes wäre sicherlich auch schade gewesen, schließlich waren die begeisterten Zuschauer in der gut besuchten Stadthalle wegen der Musik des Ausnahmekönners gekommen.

Und die hatte es in sich, vom Boogie-Woogie über seine genialen Bearbeitungen von Beatles-Songs bis zum australischen Aborigines-Song, bei welchem Emmanuel seinem „White-Man-Thunderstick“ auch gitarrenunübliche Klänge entlockte. Ein Wermutstropfen war an diesem Abend lediglich der an einigen Stellen schlechte Sound. So wurde das Konzert teilweise durch Rückkoppelungen und andere Tonstörungen unnötig gestört.

Die begeisterten Zuschauer ließen sich allerdings von diesen Unwägbarkeiten nicht stören. Sowohl Emmanuel als auch der hawaiianische Ukulele-Spieler Jake Shimabukuro, der das Vorprogramm des mehr als zweistündigen Abends bestritten hatte, boten Weltklasseniveau. Bemerkenswert auch die gute Dramaturgie des Konzertes, die in dem Duo der beiden Musiker ihren Höhepunkt fand. Standing Ovations, Bravos und tosender Beifall.

Von Sebastian Krämer

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