Musiktage: Das Ensemble La Stagione mit Ana Maria Labin

Kantate wurde Oper

Voller Einsatz: Sopranistin Ana Maria Labin (vorn), dahinter Michael Schneider mit dem Ensemble La Stagione. Foto:  Malmus

KASSEL. Was für eine Stimme. Was für ein Temperament. Die aus Rumänien stammende Sopranistin Ana Maria Labin war die ungekrönte Königin im Abschlusskonzert der Kasseler Musiktage. 600 begeisterte Zuhörer waren Zeugen ihres Auftritts mit dem Ensemble La Stagione aus Frankfurt. Demonstrationsobjekte ihres Könnens waren eine lange Kantate von Georg Philipp Telemann und eine kurze Arie aus Antonio Vivaldis Oper „Motezuma“.

„Ino“ nennt sich das funkelnde Schmuckstück des greisen Telemann. Es geht in dieser Vertonung einer antiken Episode um Rache, Verfolgung, Verzweiflung, Errettung, Erhöhung. Und es geht um den Olymp im vokalen Fach. Ana Maria Labin hat ihn erreicht. Sie versteht es, dramatisch zu singen und übergangslos wieder lyrisch. Ihre schön timbrierte Stimme braucht keinen Druck und kein Vibrato, sie füllt den großen Raum der Martinskirche und wirkt doch mädchenhaft verspielt. Nur mühsam konnte sie ihr schauspielerisches Talent im Zaum halten. Ohnehin hatte man den Eindruck, einer kleinen Oper beizuwohnen.

Neben diesem Triumph musste alles andere verblassen, sollte man denken. Doch so war es nicht. Das bekannte Barockensemble La Stagione unter der Leitung von Michael Schneider zeigte sich in hervorragender Verfassung. In zwei Sinfonien von Johann Stamitz und Johann Gottlieb Graun aus der Übergangszeit vom Barock zur Klassik spielten die dreizehn Musikerinnen und Musiker (bei „Ino“ kamen noch je zwei Querflöten und Hörner hinzu) ihre Klasse aus: zügig in den Tempi, doch beseelt, mitatmend und von großer technischer Sicherheit. Im Schlussstück, einem Doppelkonzert Telemanns, griff Michael Schneider selbst zum Instrument, der Blockflöte.

Zusammen mit der Traversflöte Karl Kaisers entstand ein gut abgemischtes Zusammenspiel, das in einem rasanten Presto endete. Die beiden Holzblasinstrumente ergänzten sich perfekt und zeigten, welche Preziosen das oft herablassend betrachtete Werk Telemanns enthält.

Von Johannes Mundry

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