Karfreitagskonzert des Kasseler Staatsorchesters mit Gast-Cellist Hornung

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Herrlich silbriger Celloton: Gastsolist Maximilian Hornung erhielt viel Applaus in der Kasseler Stadthalle.

Kassel. Wenn Meditation auch in der Musik bedeutet, Gedanken und Gefühlen freien Raum zu geben, dann sind Leonard Bernsteins „Three Meditations“ der Inbegriff einer solchen geistigen Übung.

Die drei Stücke für Solocello, Streicher und Perkussion waren einst Teil der Messkomposition „Mass“, die von einem am Glauben zweifelnden Mess-Zelebranten und dem Bedürfnis der Menschen nach spiritueller Gemeinschaft handelt.

Gerade in einem Jahr, da wegen des Tanzverbots um Sinn und Verbindlichkeit des Karfreitags gestritten wird, waren die drei Meditationen beim Karfreitagskonzert des Kasseler Staatsorchesters in der ausverkauften Stadthalle von besonderer Aktualität. Der Zweifel begleitet die Stücke bis zum Schluss. Da verströmt ein gemessener Choral im Orchester Einverständnis und tiefe Ruhe, doch das Solocello wirft bis zum letzten Dur-Akkord seine widerstrebenden Gedankenfetzen ein.

Der Solopart wurde gespielt von Maximilian Hornung, dem erst 25-jährigen Solo-Cellisten des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Wie außergewöhnlich dieser junge Musiker ist, bewies er nicht nur mit seinem herrlich silbrigen Celloton. Er vereinte auch die widerstrebenden Tendenzen des Soloparts zwischen zarter Sanglichkeit, verzweifelt fahlen Flageolettklängen und tief grollendem Aufbrausen zu einem eindringlichen musikalischen Charakterbild.

Selten passte eine Bach-Zugabe, die Sarabande aus der C-Dur-Suite, besser als nach diesen Sätzen: als meisterlich gespielte Meditation eines Komponisten, für den Glaube noch Gewissheit bedeutete.

Von anderer Art ist Beethovens Impetus bei seiner dritten Sinfonie, der „Eroica“. Nicht nur die Thematik des vierten Satzes, die dem Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ entnommen ist, verweist darauf, dass der Held, der den Göttern das Feuer stahl, gefeiert wird.

Dass Leben auch Sterben heißt, davon erzählt der zweite Satz, der Trauermarsch. Er wurde zum Kristallisationspunkt einer herausragenden Interpretation durch den (auswendig dirigierenden) Ersten Kapellmeister Marco Comin. Das schlanke Spiel war von anrührender Intensität, zwingend die Übergänge, und besonders eindrucksvoll im Schlussteil das sehr dichte und frei fließende Fugato.

Beethoven, von dicken Pathos-Schichten befreit. Ebenso frei und in klangvollem Piano das Scherzo, das im Trio mit einem herrlichen Hörnergesang aufwartete. Das Finale gelang mit tänzerischer Eleganz, dabei immer substanziell und mit wunderbaren Übergängen.

Am Ende des Konzerts, das mit Beethovens Coriolan-Ouvertüre temperamentvoll eröffnet worden war, gab es heftigen Beifall und viele Bravos.

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