Neu im Kino: „Triff die Elisabeths!“ ist eine französische Filmkomödie, die mit Vorurteilen spielt

Aus der Karibik auf die Piste

Konflikte im Schnee: Jean-Gabriel (Lucien Jean-Baptiste) und seine Mutter (Firmine Richard) lernen Skifahren. Foto:  nh

Schon ärgerlich, wenn einen das eigene Töchterchen um den Finger wickelt, und Papa sich auch sonst nicht gerade als Vorzeigeexemplar männlicher Entschlusskraft entpuppt. So muss Jean-Gabriel die wohlige Trägheit aufgeben, nur weil er seiner Familie versprochen hat, die Osterferien im Schnee zu verbringen.

Dabei gibt es zwei Probleme: Die im Pariser Vorort lebende Familie hat das Geld dafür nicht. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Monsieur die Tage lieber im Café bei Pferdewetten verbringt, als den Familienunterhalt zu verdienen. Dazu kommt: Papa und die Kinder sind dunkelhäutig, und das Vorurteil, dass Schwarze einfach nicht in den Schnee fahren, lauert überall. Suzy, die weiße Frau des karibischen Einwanderers, hat außerdem die Nase voll von ihrem verträumten Gatten.

Nun muss der auf einmal ran, will er bei seinen drei Kindern nicht völlig als Verlierer dastehen und seine Ehe aufs Spiel setzen. Der Ernst des Lebens ragt so bedrohlich vor ihm auf wie die französischen Alpen. Und als Mittel zum Überqueren gibt es nur den zitronengelben Mercedes eines Kumpels, dessen Tuning-Verkleidungen so tief gelegt sind, dass sie fast auf der Landstraße schrammen.

Regisseur Lucien Jean-Baptiste ist mit „Triff die Elisabeths!“ eine witzig-leichte Winterkomödie gelungen, die in Frankreich zum Publikumsrenner wurde. Mit dem letzten französischen Export-Erfolg, Dany Boons „Willkommen bei den Sch’tis“, kann die neue Komödie zwar nicht ganz mithalten, aber ein vergnüglicher Kinoabend ist drin.

Gekonnt mischt der Regisseur Slapstick, Kalauer und Situationskomik. Er entlarvt alltäglichen Rassismus, etwa bei den Hüttenvermietern („Hast du noch nie Schwarze gesehen?“ „Natürlich hab ich das, doch in dieser Höhe kommen sie selten vor“), aber auch Vorurteile der karibischen Gemeinschaft über die alteingesessene Society und ihr Wintervergnügen. „Skifahren ist bloß was für Weiße, oder?“ „Ach, und Frankreich? Ist auch bloß für Weiße, und trotzdem leben wir hier.“ Kein Witz relativiert hingegen den Ernst der Ehekrise und den (berechtigten) Ärger Suzys.

Lucien Jean-Baptiste hält die Balance der Komödienelemente - und beweist in seinem Regiedebüt als sein eigener Hauptdarsteller viel komisches Talent.

Die Zuschauer begleiten Jean-Gabriel schließlich beim Bewältigen seiner Mammutaufgabe - mit drei Kindern und Oma beim Hüttenurlaub mit Skischule. Dieser zweite Filmteil ist gegenüber dem Anfang allerdings deutlich weniger konflikträchtig - und fällt ab.

Lucien Jean-Baptiste, der 31-jährige Fernsehdarsteller und Synchronsprecher von Will Smith, war einst selbst mit Familie aus den Antillen gekommen und mit Muttern auf der Piste gelandet. Die Mutterfigur ist auch in der Filmfassung famos: Wie Firmine Richard („8 Frauen“) als Oma mit ihren übergewichtigen Kaffeekränzchen-Damen den Kopf schüttelt über ihren Sohn und sich dann - mit frisch ondulierter Perücke und Strickzeug - in den Schnee stürzt, ist herzerfrischend.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab sechs

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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