Gastspiel im Kasseler Schauspielhaus

„Sie hat Mut zur Hässlichkeit“: Karin Berkenkopf im Interview

Schrullig, ein bisschen bauernschlau und modisch nicht ganz auf dem neuesten Stand: Das ist Frieda Braun, mit der die Komikerin Karin Berkenkopf Erfolge feiert. Foto: nh

Kassel. Mit Witzen über das Leben einer Hausfrau im Sauerland bringt Karin Berkenkopf alias Frieda Braun die Menschen zum Lachen. Ihr Gastspiel am 3. Februar im Kasseler Schauspielhaus mit dem neuen Programm „Rolle vorwärts“ ist schon seit Wochen ausverkauft.

Wir sprachen mit der 49-Jährigen über ihre schrullige Figur.

Frau Berkenkopf, Ihre Frieda Braun wird ja richtig schick. Im neuen Programm tragen Sie keine Lockenwickler mehr.

Karin Berkenkopf: Frieda sieht jetzt moderner aus. Ich wollte einfach eine Veränderung. Das alte Outfit ist ja aus der Lameng entstanden, wie Frieda sagen würde.

Bitte? Aus was?

Berkenkopf: Aus einer Laune heraus. Als ich die Figur zum ersten Mal gespielt habe, musste es schnell gehen. Das war im Karneval. Ich habe geguckt, was bei meiner Mutter so im Keller liegt. Eine bestellte Perücke passte nicht. Also habe ich mir die Lockenwickler genommen. Ich hätte ja niemals gedacht, dass das mit Frieda so ausarten würde.

Sie treten in der ganzen Republik auf. Was lieben die Menschen an Frieda Braun?

Berkenkopf: Das ist vor allem der Wortwitz. Ich bin ja eigentlich Werbetexterin und liebe Sprachspiele. Im neuen Programm hat Frieda zum Beispiel ein Smartphone, das sie Zartphone nennt, weil es gestreichelt werden will - sonst geht das Licht aus. Zudem hat sie einen ausgeprägten Mut zur Hässlichkeit. Auch im neuen Outfit ist sie ja nicht wirklich schön. Für mich ist das entspannend. Andere Künstlerinnen müssen auf der Bühne immer gut aussehen und aufpassen, dass nichts verrutscht. Wenn sie abgeschminkt sind, sagen die Leute: „So jung ist die aber auch nicht.“ Bei mir ist es umgekehrt, obwohl ich auch schon 49 bin.

Kann man sagen: Wenn Heinz Becker eine Frau wäre und aus dem Saarland ins Sauerland ziehen würde, wäre er so wie Frieda Braun?

Berkenkopf: Heinz Becker ist ja eher ein Meckerer. Frieda ist da schon positiver. Und sie ist auch nicht so naiv wie Heinz Beckers Frau. Sie hat eine gewisse Bauernschläue. Ich glaube, viele Zuschauer erkennen in ihr ihre Nachbarin wieder.

Auf die Idee zu Ihrer Figur kamen Sie angeblich 1997 in einer Kneipe.

Berkenkopf: Stimmt. Wenn ich mit Freunden am Tisch saß, habe ich manchmal eine Persiflage auf eine Frau aus dem Sauerland gegeben. Immer hieß es dann: „Mach das doch noch mal.“ Ich wollte schon immer was mit Kabarett machen, aber Frieda Braun war nicht geplant. Sie kam einfach so.

Ist der typische Mensch aus dem Sauerland wirklich so wie Frieda Braun?

Berkenkopf: Man sagt, er sei bodenständig und stur. Und wahrscheinlich geht er auch nicht so schnell aus sich heraus. Ich habe eine ganze Zeit in Bonn und Düsseldorf gelebt. Aber irgendwann wollte ich wieder zurück. Im Sauerland kann ich die Natur genießen. Hier findet man auch noch einen Parkplatz vor der Bäckerei - oder man braucht erst gar kein Auto. Und weil wir jede Menge Touristen haben, gibt es in Winterberg auch viele Kneipen. Nur den Winter mag ich nicht. Ich bin kein Schnee-Fan.

Frieda Braun: 3. Februar, 18 Uhr, Schauspielhaus Kassel. Ausverkauft

Zur Person

Karin Berkenkopf

Alter: 49

Beruf: Werbetexterin und Komikerin unter dem Namen Frieda Braun

Karriere: Berkenkopf arbeitete in Werbeagenturen und war zuletzt freie Werbetexterin. Seit drei Jahren kann sie von ihrer Figur Frieda Braun leben.

Privates: Wohnt in Winterberg und ist mit dem belgischen Pantomime-Künstler Joseph Collard zusammen.

Von Matthias Lohr

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