Don Karlos: Drama mit vielen Verlierern

Über die Liebe zur Königin ist Prinz Don Karlos nie hinweggekomme: Marie Seiser als Elisabeth von Valois und Moritz Schulze als Don Karlos in der Inszenierung des Deutschen Theaters in Göttingen. Fotos: Lefebvre

Sehenswert: Schillers Theaterklassiker feierte am Deutschen Theater Premiere

Göttingen. Der Herrscher in der politischen Welt bleibt einsam, am Königshof voller Intrigen wird der Großinquisitor zum Gewinner. In „Don Karlos“ von Friedrich Schiller am Deutschen Theater in Göttingen betont Regisseur Maik Priebe die Gefühle. Untrennbar ist in der Inszenierung das Politische mit dem Privaten verbunden.

Über die Liebe zur Königin ist Prinz Don Karlos nie wirklich hinweggekommen. Elisabeth war seine Verlobte. Jetzt ist sie durch politische Heirat mit seinem Vater, König Philipp II, zu seiner Stiefmutter geworden. Don Karlos aber versucht, Elisabeth zurückzugewinnen. Voller Misstrauen gegenüber seinem Sohn sperrt der König seine Frau in einen goldenen Käfig. Dabei liebt er die Prinzessin von Eboli. Sie wiederum ist verliebt in den Prinzen. Auf dem Boden dieser spannungsreichen Konstellation ergibt sich viel Raum für politische Intrigen.

Dass der König daran zerbricht, zeigt Paul Wenning großartig und überzeugend. Vom sicheren Herrscher wird er zum Zweifler, den die Umstände zu Boden zwingen. Nur als Fassade kann der Regent seine Haltung wieder zurückgewinnen. Ungestüm gibt Moritz Schulze Don Karlos, der am Überschwang seiner Gefühle scheitert. Eingefangen in der Hand der Liebe ist er dem Intrigenspiel nicht gewachsen. Marie Seisers Elisabeth unterwirft sich den politischen Zwängen, ihre Liebe zu Don Karlos kann sie aber nicht vergessen.

Katharina Uhland zeigt als Eboli, wie sie an den Ränkespielen scheitert. Da hilft es ihr auch nicht, dass sie sich im wahrsten Sinne des Wortes bloßstellt. Gabriel von Berlepsch gelingt ein Marquis von Posa, der das Spiel auf der Klaviatur der Macht zwar beherrscht, doch im Gegensatz zum Herzog von Alba (Marco Matthes) verspielt sich der Redliche und geht unter. Dass auch die ständigen Beobachter ein Wörtchen mitreden, bringen Bernd Kaftan als der Oberste der Leibwache und Andrea Strube und Frederike Schinzler als Hofdamen auf die Bühne. Als Beichtvater des Königs wird Nikolaus Kühn fast zum Vorboten des Großinquisitors – in roter Robe mit Pelz präsentiert Florian Eppinger dessen Allmacht.

Mit modernen Kostümen, die in ihrem Schnitt die höfische Garderobe von damals zitieren, schlägt Bühnen- und Kostümbildnerin Susanne Maier-Staufen einen Bogen in die Jetzt-Zeit: Ist Politik heute anders als damals? Für die tödlichen Ränkespiele am Hof hat sie ein Karree aus Türen, so hoch wie das Bühnenportal, entworfen. In voller Öffnung zur Hinterbühne präsentiert es die unendliche Weite am Hof, einzeln öffnen sich die Türen zu Bespitzelungsluken, ganz geschlossen wird das Viereck zum Gefängnis. Doch trotz wechselnder Bilder und Darstellungsdichte ergeben sich in dem sehenswerten Schauspiel nach der Pause vereinzelt Längen. Nach einer Aufführungsdauer von drei Stunden langer Premierenapplaus mit Zustimmungsrufen.

Weitere Vorstellungen: Donnerstag, 1. Dezember, Freitag, 9. Dezember und Dienstag, 27. Dezember. Karten: 0551/4969-11. www.dt-goettingen.de

Von Ute Lawrenz

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