Mit dem Kasperl bechern: Willi Lieverscheidt mit dem Stück „Leben“

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Schlüpft in viele Rollen und bezieht auch seinen Hund in die Show ein: Willi Lieverscheidt von der Compagnia Buffo. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ein Mann, ein Zelt – ein magisches Theatererlebnis voller Illusionen und herrlich grotesker Komik, zugleich aber auch von berührendem Realitätsgehalt. „Leben“ heißt die Produktion, mit der Compagnia-Buffo-Gründer Willi Lieverscheidt am Donnerstag im ausverkauften Zelt neben dem Schlachthof erfolgreich Premiere feierte.

Der Mann ist faszinierend. In vielen Rollen wirbelt, wühlt, fühlt und schwitzt er sich durch die Grenzwerte unserer Existenz und jongliert dabei mit der Geburt, dem Leben, dem Tod, Kasperletheater, Schattenspielen, Erzähltheater und Opernparodien. Und das so umwerfend komisch, so bedingungslos verspielt, wie auch etwas betroffen machend. Gerade wenn es um Alter, Demenz und Tod geht, in denen er als Willi seine demente, zittrige Mutter im Pflegeheim besucht, mit einem Strauß Blumen in der Plastiktüte. Wie er beide Rollen in fließendem Übergang spielt, zeigt Lieverscheidts große Schauspielkunst.

Er berührt mit diesen Szenen, lässt das Publikum aber nicht im Zustand der Betroffenheit, sondern holt es über sein groteskes Spiel da auch wieder raus, bringt es zum Lachen. Und das in Serie.

Genial durchgeknallt gibt er auch den Tod, der hier eine „Sie“ ist: „Madame Tod“. Mit Stöckelschuhen und Sense gibt sie sich mondän und tänzelnd, ist aber nicht gerade die Hellste. Als sie das Kasperl holen will, trickst der sie durch ein Trinkgelage aus. Auch mit ihrem Azubi hat sie schlechte Karten. Ihr Lehrling verhindert einen Mord und bringt damit doch glatt ihre Auftragsliste durcheinander.

Die Szenen, wo ein hektischer italienischer Dirigent das Publikum zum „Grande Chora“ machen will, in der Pause zwei Ungeborene auf dem Zeltdach darüber diskutieren, ob es „auch nach der Geburt ein Leben gibt“ und Lieverscheidts Hund über Gebell Rechenaufgaben löst, seien hier nur als Appetitanreger genannt. Fazit: Ein grandioses One-Man-Spektakel zum Lachen und Traurigsein. Lang anhaltender Applaus.

Weitere Aufführungen: bis 24.8., täglich außer montags, 20 Uhr, neben dem Kulturzentrum Schlachthof.

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