Konzert am Sonntag, 7. August, in Kassel

Deine Freunde: Die coolste Kinderband im Interview

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Keine Angst, liebe Kinder, Mütter und Väter, die wollen nur spielen: Die Hamburger Musiker Markus Pauli (von links), Florian Sump und Lukas Nimscheck machen als Deine Freunde HipHop für Kinder, den auch Erwachsene mögen. 

Musik für Kinder kann Eltern ganz schön nerven. Auf den HipHop von Deine Freunde können sich dagegen Klein und Groß einigen. Das Hamburger Trio kommt ins Kasseler Kulturzelt.

Die Hamburger Band Deine Freunde finden nicht nur Kinder cool. Bei Konzerten wippen auch die Eltern zu den HipHop-Beats, wenn das Trio Zeilen rappt wie: „Ihr wisst, dass ihr hier richtig seid, wenn auch der letzte Schüler hier nicht sitzen bleibt.“ Damit füllen Florian Sump (Schlagzeug), Lukas Nimscheck (Sänger) und Markus Pauli (DJ) seit 2012 nicht nur in ihrer Heimatstadt Hamburg große Hallen. Am 7. August treten Deine Freunde im Kasseler Kulturzelt auf. Wir sprachen mit Sump (35), der in den 90ern mit der Teenie-Band Echt bekannt wurde.

Wir versuchen, unsere Kinder zu Bescheidenheit zu erziehen. Und jetzt hören sie ständig Ihr Album, auf dem Sie rappen: „Wir sind die coolste Kinderband dieser Welt.“ Soll ich ihnen sagen, dass Deine Freunde Angeber sind?

Florian Sump: Sie können es so erklären: Unsere Musik ist zwar ziemlich bunt, aber die Basis ist immer noch HipHop. Und dort wird eben gern ein bisschen angegeben, Manchmal ist es okay, prollig zu sein. Gerade wenn man es mit einem Augenzwinkern macht.

Es stimmt ja auch, dass Deine Freunde die coolste Kinderband der Welt sind. Aber warum gibt es so viel schlechte Musik für Kinder, die die Eltern nervt?

Sump: Weil sie ganz oft von Erwachsenen gemacht wird, die denken: „Ich bin groß, hab schon mehr gesehen als du, und jetzt erklär ich dir die Welt.“ Viele Leute wissen gar nicht, was in Kinderköpfen los ist. Sie unterschätzen die Kleinen. Dabei muss man mit ihnen nicht groß anders reden. Auch Humor verstehen Kinder sehr gut. Am Anfang haben wir bei Konzerten manche Witze nur für die Eltern gemacht. Am lautesten haben aber die Kinder gelacht.

Deine Freunde entstanden, als Sie ein Lied für den Hamburger Kindergarten schrieben, in dem Sie arbeiten. Wann ahnten Sie, dass das Ganze ein solcher Erfolg werden würde?

Sump: Sie glauben mir jetzt wahrscheinlich nicht mehr, dass ich eigentlich ein bescheidener Mensch bin, aber mir war es tatsächlich nach dem ersten aufgenommenen Lied klar. Ich wusste sofort, dass es so etwas noch nicht gibt und dass das andere Eltern auch toll finden werden.

Deine Freunde gelten als HipHop-Band. Dabei ist das aktuelle Album „Kindsköpfe“ viel mehr als Rap. Was machen Sie eigentlich?

Sump: Wir haben dafür den Begriff KidHop erfunden. Das ist natürlich etwas an den Haaren herbeigezogen. Er meint aber, dass wir machen können, was wir wollen und wonach wir uns fühlen. So lassen wir manchmal einen harten Techno-Beat oder Funk einfließen. Es macht total Spaß, ohne Scheuklappen unterwegs zu sein.

Wie laufen Ihre Konzerte ab? Machen die Kinder vorn Pogo, während die Eltern hinten Bier trinken?

Sump: In Berlin gehen tatsächlich manche Eltern an die Bar. Grundsätzlich haben sich unsere Auftritte etwas verändert. Früher haben sich manche Eltern in die ersten Reihen gestellt, sodass viele Kinder nichts gesehen haben. Darum haben wir nun vor der Bühne einen abgesperrten Hier-dürft-ihr-ausflippen-Bereich nur für Kinder. Alle bekommen ein Armband, auf dem die Handynummer ihrer Eltern steht.

Wer sind die angenehmeren Fans: Teenies wie früher bei Echt oder die Kinder von heute?

Sump: Man soll nichts Schlechtes über seine Fans sagen, aber bei Echt hatten wir viele hysterische Teenies, die mit ihrem Personenkult sehr anstrengend sein können. Kinder sind angenehmer, weil sie nicht ausflippen, noch nicht so genormt und außerdem ehrlich sind. Wenn wir nach Konzerten mit ihnen plaudern, sagen sie schon mal: „Du stinkst aber in deinem T-Shirt.“ Kinder heben einen nicht auf ein Podest.

Nach der Zeit mit Echt haben Sie als Umzugshelfer und in Videotheken gejobbt. Wie schwierig war es, einen Beruf zu finden, der glücklich macht?

Sump: Ziemlich schwierig. Ich hatte zwar immer ein Dach über dem Kopf. Aber ich hatte auch Zeiten, wo ich gar kein Geld hatte und der Gerichtsvollzieher wegen alter Steuersachen vor der Tür stand. Damals habe ich jeden Job angenommen, den ich kriegen konnte. Glücklicher als jetzt könnte ich nicht sein. Man bekommt wahnsinnig viel zurück, wenn Sechsjährige alles mitrappen und jeder in seinem eigenen Stil tanzt.

Zur Band

Gegründet: 2012

Mitglieder: Florian Sump (35, Schlagzeug, früher bei der Pop-Gruppe Echt), Markus Pauli (38, DJ, sonst Tour-DJ beim Hamburger Trio Fettes Brot), Lukas Nimscheck (27, Sänger, Ex-Moderator des „Tigerenten-Clubs“ in der ARD)

Aktuelles Album: „Kindsköpfe“ ist beim Plattenlabel „noch mal!“ erschienen, das Altmeister Rolf Zuckowski (69) eigens für die Band gegründet hat.

Privates: Sump lebt mit seiner Frau und dem sieben Monate alten Sohn in Hamburg, wo der Erzieher auch zwei Tage pro Woche in einer Kita arbeitet. Demnächst erscheint im Lillebog-Verlag sein Kinderbuch-Comic „Reise durch die Zeit“ (9,90 Euro).

Live: am Sonntag, 7. August (17 Uhr), im Kasseler Kulturzelt an der Drahtbrücke. Tickets: HNA-Kartenservice, 0561/203-204. 

www.kulturzelt-kassel.de

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