Kassel ist ein gutes Pflaster: Heimische Sieger beim Dokfest

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Heimische Gewinner: Filmemacher Raymond Ley (von links) erhielt den Ehrenpreis. Für sein Porträt über den äthiopischen Langstreckenläufer Ybekal Daniel Berye vom PSV Grün-Weiß Kassel gewann Zuniel Kim den Goldenen Herkules.

Zum ersten Mal hat das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest nicht nur Nachwuchsleute ausgezeichnet. Zum Abschluss gab es den Ehrenpreis für Regisseur Raymond Ley, der Kassel nicht immer gut fand.

Schon wieder hat das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest einen Rekord aufgestellt. 14 500 Besucher schauten sich bei dem Festival die 271 Filme an - 500 Gäste mehr als im Vorjahr. Gefeiert wurde am Samstag bei der Preisverleihung, die zum ersten Mal in der Weinkirche stattfand, der Lounge-Location des 32. Dokfests.

Der neue Ehrenpreis

Traditionell steht beim Dokfest der Nachwuchs im Mittelpunkt, „aber wir sind nicht nur Nachwuchs“, wie Moderator Wieland Höhne sagte. Darum wurde zum ersten Mal ein Ehrenpreis vergeben, den Raymond Ley entgegennahm. Einen besseren Preisträger als den 57-Jährigen hätte es für die Premiere nicht geben können. Der gebürtige Kasseler hat das Filmladen-Kino mit ins Leben gerufen, wo er einst bei einem seiner Filme sogar auf die Leinwand schoss. Es waren wilde Zeiten damals. Mit Filmen wie „Meine Tochter Anne Frank“ wurde Ley „zum Vollender des Dokudramas“, wie Laudator Karl-Heinz Heymer sagte.

Ley gestand, dass Kassel gut sei, um seinen „dokumentarischen Blick zu schärfen zwischen Bergpark und florierender Rüstungsindustrie“. Nachdem der Wahl-Berliner die Stadt lange gemieden habe, komme er mit seiner Familie „jetzt immer wieder gern hierher“. Indirekt übrigens auch für seinen neuesten ZDF-Film. In „Letzte Ausfahrt Jena“ lässt er Lisa Wagner die rechtsextremistische Terroristin Beate Zschäpe spielen, deren NSU auch in Kassel mordete.

Der heimische Sieger

Erst seit einigen Jahren lebt Ybekal Daniel Berye (27) in Kassel. Der äthiopische Langstreckenläufer hat gerade eine Bestzeit beim Berlin-Marathon aufgestellt (2:16:45 Stunden). Für seinen Abschlussfilm „Der Langstreckenläufer“ hat Zuniel Kim (33) den Athleten des PSV Grün-Weiß Kassel beim Training begleitet und ihn erzählen lassen, wie es ist, nur geduldet zu sein und nicht mal ein Preisgeld zu bekommen, weil er kein Konto hat. Dafür gab es den Goldenen Herkules, den Nachwuchs-Oscar der Region, den die Künstlerin Christiane Hamacher diesmal als herkulesartige Maske gestaltet hat.

Der aus Göttingen stammende Kim freute sich nicht nur über den Preis, sondern auch über Berye, der mittlerweile eine reguläre Aufenthaltsgenehmigung für ein Jahr besitzt.

Der rote Teppich  

Am neuen Veranstaltungsort hatten die Organisatoren einen roten Teppich ausgerollt. Das kam gut an bei den 200 Gästen und sorgte für ein bisschen Berlinale-Flair, wenngleich Festival-Chef Gerhard Wissner nach den Terroranschlägen von Paris feststellte: „Der rote Teppich müsste eigentlich schwarz sein.“

Sogar eine Videobotschaft gab es: Die Niederländerin Mea de Jong bedankte sich mit einem Clip aus Amsterdam für den Goldenen Schlüssel, den sie für ihren Film „If Mama Ain’t Happy, Nobody’s Happy“ bekam.

In neun Jahren hat das Festival seine Besucherzahl verdoppelt. Trotzdem kann es nicht jedes Jahr einen Rekord geben. „Wir haben die Grenze des Wachstums erreicht“, sagte Wissner.

Die Gewinner 

Goldener Schlüssel für die beste dokumentarische Nachwuchsarbeit (5000 Euro, mit Unterstützung der Stadt Kassel): „If Mama Ain’t Happy, Nobody’s Happy“ von Mea de Jong (Niederlande). Lobende Erwähnung für „Kong Fak Jak Switzerland“ von Sorayos Prapapan (Thailand)

Goldener Herkules für die beste Produktion aus Nordhessen (3000 Euro von der Agentur Machbar): „Der Langstreckenläufer von Zuniel Kim (Kassel). Lobende Erwähnung für „Alacritas“ von Joscha Bongard (Kassel)

A38-Produktionsstipendium (je 4000 Euro in bar und als Sachleistung mit Unterstützung der LPR Hessen und der Medienanstalt Sachsen-Anhalt): „Another Kind of Girl“ von Khaldiya Jibawi (Jordanien)

Golden Cube für die beste Installation der Ausstellung Monitoring (3500 Euro von der Firma Micromata): „Skulptur 21“ von Gerald Schauder (Köln). Lobende Erwähnung für „Talking Business“ von Kerstin Honeit (Berlin)

Ehrenpreis (3000 Euro von der Firma Hübner): Raymond Ley

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