Neues Instrument in der Kirche St. Martin soll herausragendes Kunstwerk für Auge und Ohr werden

Kassel plant spektakuläre Orgel

Große Pläne: Kantor an St. Martin Eckhard Manz. Foto:  nh

Kassel. Es ist im Wortsinn eine Jahrhundertentscheidung: Die Kasseler Martinskirche soll eine neue Orgel bekommen. Das haben die Gremien der Evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck beschlossen und dafür einen Betrag von 2,2 Millionen Euro bewilligt.

Das neue Instrument soll die baufällig gewordene Orgel aus dem Jahr 1964 ersetzen und gleichzeitig zur Weiterentwicklung der Möglichkeiten des Instruments Orgel insgesamt beitragen.

Die evangelische Kirche will damit nicht nur die Position der Martinskirche als einen der wichtigsten Standorte neuer Kirchenmusik stärken. Der Neubau knüpft auch an die Tradition der Martinskirche an, die mit der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Scherer-Orgel von 1612 ein Instrument besaß, das 1732 nach einem Umbau von keinem Geringeren als Johann Sebastian Bach abgenommen wurde.

Spektakuläre Orgeln mit außergewöhnlichen Formen

Spektakuläre Orgeln mit außergewöhnlichen Formen

Martinskirchen-Kantor Eckhard Manz, der äußerst glücklich über die Entscheidung für den Neubau ist, sagte, die neue Orgel müsse ein Instrument sein, „das mindestens 100 Jahre störungsfrei funktioniert“. Anders sei eine solche Investition nicht zu rechtfertigen.

Nötig wurde der Neubau, weil die 1964 erbaute Bosch-Orgel (wie viele andere Orgeln aus jenen Jahren) gravierende Mängel unter anderem bei der Spieltraktur und in der Windversorgung aufweist. „Man hat damals mit Neuerungen experimentiert, die sich nicht bewährt haben“, erklärt Manz.

Das neue Instrument soll handwerklich von höchster Qualität und gleichzeitig in seiner klanglichen und baulichen Gestaltung wegweisend sein für die Orgelästhetik des 21. Jahrhunderts.

Ziel ist ein Instrument, auf dem nicht nur das gesamte Orgelrepertoire seit dem Frühbarock auf höchstem Nivau spielbar ist, sondern das auch den klanglichen Wünschen heutiger Komponisten Rechnung trägt. Und zwar nicht nur in Form von Zusatzfunktionen, sondern in allen Teilen. Dazu soll die Möglichkeit gehören, mit flexiblem Winddruck zu arbeiten und den normalerweise starren Orgelklang je nach Art des Tastenanschlags flexibel zu gestalten.

Manz wünscht sich aber nicht nur ein von Ferne zu bewunderndes Instrument, sondern eine „Bürgerorgel“, auf die die Bevölkerung ganz Nordhessens stolz ist - und die sie auch hautnah erleben kann. „Von Kindern bis Senioren sollen alle die Möglichkeit haben, das Instrument zu besichtigen und darin herumzusteigen.“

Das neue Instrument soll über vier Manuale (Tastaturen) und nicht weniger als die 64 Register (Klangfarben und Tonhöhen) der bisherigen Orgel verfügen. Für die klangliche und die äußere Gestaltung sollen getrennte Ausschreibungen erfolgen.

Waren in früheren Zeiten Repräsentation und emotionale Überwältigung wichtige Funktionen einer großen Orgel, so ist es heute Kommunikation, ist Manz überzeugt. Dem müsse auch die Gestaltung Rechnung tragen, für die bedeutende Künstler gewonnen werden sollen.

Als Vorsitzender einer sechsköpfigen Orgelkommission, der Musiker und Orgelbausachverständige angehören, lädt Manz nun sieben renommierte Orgelbaufirmen aus sechs Ländern ein, ihre Ideen zu entwickeln. In weiteren Schritten soll die Planung konkretisiert und auf zwei Orgelbaufirmen konzentriert werden. Im nächsten Jahr könnte der Auftrag zum Bau erteilt werden, hofft Manz. „Wir brauchen Zeit, und die werden wir uns nehmen“, betont der Kantor. Jeder Schritt soll genau geprüft werden. Erstmals erklingen könnte die neue Orgel in den Jahren 2014 bis 2017.

Von Werner Fritsch

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