Revolution im Kulturzelt: Eröffnung mit Y‘akoto

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Cassandra Steen, die Sängerin ist knapp 1,90 Meter groß, zusammen mit Matteo Capreoli.

Kassel. Seinen Saison-Höhepunkt hat das Kasseler Kulturzelt bereits am Freitag bei der Eröffnung erlebt, als Cassandra Steen die Bühne betrat. Die Sängerin ist knapp 1,90 Meter groß, neben ihr müssen sich alle männlichen Musiker wie der kleine Peter Maffay fühlen.

Eine Sängerin, die die riesige Steen übertrifft, wird in der 26. Saison bis zum 19. August an der Drahtbrücke nicht mehr auftreten.

Eröffnungskonzert im Kulturzelt

Mit Soul und Funk in die Kulturzelt-Saison

Es spricht für die Veranstalter des renommierten Festivals, dass „Deutschlands größte Soulstimme“, wie die 32-Jährige im Programmheft angekündigt wurde, nur eine von mehreren großen Künstlern beim Eröffnungsabend war. Unter dem Titel The Urban Mash Up All Stars hatten sie neben Steen noch drei weitere Sänger eingeladen, die wie die Deutsch-Amerikanerin für ein neues Pop-Deutschland stehen.

Fetsum

Die Hamburgerin Y’akoto wuchs in Ghana auf und pendelt nun zwischen der Hansestadt, Paris und Togo. Die Mutter des in Kairo geborenen Sänger Fetsum stammt aus Eritrea, seine Kindheit verbrachte er in Rom. Und Matteo Capreoli, der sich auf seiner Webseite „der etwas andere Lockenkopf aus Stuttgart“ nennt, sieht aus wie der kleine Bruder von Max Herre, der als Kopf der Combo Freundeskreis als einer der Ersten hierzulande Soul, Funk und HipHop zusammenbrachte und damit der Wegbereiter der neuen Pop-Kosmopoliten ist.

Rund um die Kulturzelt-Eröffnung

Rund um die Kulturzelt-Eröffnung

Sein Stilmix ist auch das Programm der Urban Mash Up All Stars. Mehr als zwei Stunden lang wechseln sich die vier am Mikro ab, während die siebenköpfige Band inklusive der Johnny Blazers, der Bläserfraktion von Jan Delay, ordentlich einheizt. Publikumsliebling in dem mit 750 Gästen ausverkauften und bestuhlten Zeltbau ist schnell Capreoli, der zwar einen Kopf kleiner ist als Steen, aber die größte stilistische Bandbreite bietet. „Heute nur bis Morgen“ ist ein Reggae, bei dem man nicht anders kann als mitwippen, und sogar eine Folk-Nummer hat der 25-Jährige im Programm.

Fast ist es wie bei einem Wunschkonzert, wenn Steen ihren Hit „Stadt“ singt. Hier kommt jeder auf seine Kosten. „Musik“, sagt Y’akoto, „ist ein Platz für Glück, Nachdenklichkeit, Traurigkeit und Hoffnung.“ Die 23-Jährige ist die große Hoffnung des deutschen Neo-Souls. Mit ihrer nasalen Altstimme, die an Erykah Badu und Billie Holiday erinnert, singt sie über ugandische Kindersoldaten und ihren Ex, der sie wegen einer älteren Frau sitzen ließ.

Y’akoto

Nächste Woche tritt Y’akoto in Frankreich auf. Dort werden sie sich womöglich wundern über den neuen deutschen Sound. Als Fetsum kürzlich in New York auftrat, wurde er hinterher gefragt: „Du kommst aus Deutschland?“ Auch in Kassel bringt der Berliner seine Zuhörer zum Staunen. Bei der Zugabe lässt er das ganze Zelt Tracy Chapmans Hit „ Talkin‘ Bout a Revolution“ a cappella singen. Und tatsächlich stehen selbst der Oberbürgermeister, CDU-Bundestagsabgeordnete und erfolgreiche Manager auf und klatschen zur Revolutions-Hymne. Auch das war ein großer Moment.

Von Matthias Lohr

Kulturzelt Samstag: Agnes Obel. Sonntag: Nils Landgren Quartet, jeweils 19.30 Uhr. (Es gibt noch Restkarten an der Abendkasse)

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