Kassel statt Schlamassel: Weihnachtsmärchen „Die Bremer Stadtmusikanten“

Kassel. „Und jetzt geht’s ab nach Kassel / Heraus aus dem Schlamassel“ – so singen die vier abgehalfterten Märchentiere und fühlen sich angesichts der nordhessischen Zukunftsperspektive gleich viel kräftiger.

Schließlich war ihnen zu Beginn des Grimm-Musicals „Die Bremer Stadtmusikanten“, das das Kasseler Staatstheater als Weihnachtsstück zeigt, übel mitgespielt worden: Wer in unserer Welt nicht mehr leistungsfähig ist, wird halt aus dem Arbeitsleben ausgemustert.

Peter Seuwen hat die Märchenvorlage in ein lustiges Theaterstück umgeschrieben, das er mit Schwung, Witz und Tiefgang inszeniert. Zur Premiere am Donnerstag im ausverkauften Opernhaus gab es viel Applaus. Für die erwachsenen Zuschauer gibt’s nette Kassel- und Märchen-Bezüge zum Entdecken.

Die inhaltlich recht übersichtliche Geschichte, die als Roadmovie auf fast leerer Bühne (Manfred Breitenfellner) abrollt, lebt von den toll gestalteten Figuren, die sich zu Beginn alle mit eigenen Songs vorstellen (Musik: Peter Friemer). Der Esel ist bei Christiane Ostermayer das durchaus intelligente Grautier Mirandolina, das sogar seine arteigene Sturheit reflektieren kann.

Abenteuerlustig: Christiane Ostermayer (Eselin, von unten nach oben), Franz Josef Strohmeier (Hund), Sabrina Ceesay (Katze) und Dieter Bach (Hahn) sind die Stadtmusikanten. Foto: Klinger

Sie hat die langen grauen Ohren auf halbmast hängen, bis ihr der Gedanke kommt, die Schufterei beim Bauern auf dem Feld sein zu lassen und eigener Wege zu gehen - genau: ab nach Kassel. Franz Josef Strohmeiers Hund Otto ist ein würdevoller Vierbeiner im Zylinder und mit ausgeprägtem Mitteilungsdrang. Der kann von Urmel bis Lassie und sogar vom Märchenerzählen selbst sprechen, sobald man ihm nur eine Minute Luft dafür lässt.

Die Katze Urmele von Sabrina Ceesay verströmt nicht nur wegen des einen roten Pumps am geschienten Bein Glamour. Wenn sie singt, dann klingt das wie eine Mischung aus No Angels und Diana Ross. Kein Wunder, dass die neue Tierband sie haben will.

Fehlt noch Dieter Bach als Hahn Henner: Sein struppiges Bürzelgefieder mindert nicht die köstlich präsentierte Eitelkeit des Ex-Hühnerhofchefs. Momente seiner Selbstüberschätzung stecken die Freunde locker weg. Es gilt eben: Einer für alle, alle für einen.

Haben sich die vier gefunden und immer wieder das „Ab nach Kassel“-Lied angestimmt, kommen die Räuber (Eckhard Müller, Anna-Maria Hirsch, Steffen Casimir Roczek) ins Spiel, die dank Kostümbildnerin Kathrin Hegedüsch aussehen wie eine Comic-Rockerbande aus Wildwest: Cowboystiefel trifft auf Elvistolle. Ihre Tollpatschigkeit können die Tiere schnell überlisten - und das kuschelige Räuberhaus ist erobert.

Viele Termine bis Jahreswechsel: 0561-1094-222.

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