1. Startseite
  2. Kultur

Arnold-Bode-Preis geht an Künstler aus Kenia

Erstellt:

Kommentare

Mitglieder des Wajukuu Art Project: Lazarus Tumbuti (von links), Ngugi Waweru, Kimathi Kaaria, Shabu Mwangi, Sammi Mutinda, Stanley Githinji, Victor Chege, Freshia Njeri und Ndungu Kimani.
Mitglieder des Wajukuu Art Project: Lazarus Tumbuti (von links), Ngugi Waweru, Kimathi Kaaria, Shabu Mwangi, Sammi Mutinda, Stanley Githinji, Victor Chege, Freshia Njeri und Ndungu Kimani erhalten den Arnold-Bode-Preis. © Stadt Kassel

Das Kollektiv Wajukuu Art Project erhält den mit 10 000 Euro dotierten Arnold-Bode-Preis 2022 der Stadt Kassel.

Kassel – Der Arnold-Bode-Preis geht in diesem Jahr an Teilnehmer der Ende September zu Ende gegangenen documenta fifteen: das Wajukuu Art Project. Das hat die Kasseler Kulturdezernentin Susanne Völker mitgeteilt.

Mit der Wahl der Künstler aus Nairobi folge das Kuratorium der Arnold-Bode-Stiftung dem Leitgedanken der documenta fifteen, so Völker, Kollektive mit gemeinwohlwirksamer künstlerischer Arbeit als eine spezifische Organisations- und Produktionsform herauszustellen. Der Magistrat der Stadt Kassel sei als Vorstand der Bode-Stiftung einem Vorschlag des Kuratoriums gefolgt, die Gruppe aus der kenianischen Hauptstadt auszuzeichnen. Die Preisverleihung sei für Anfang 2023 geplant.

Das Wajukuu Art Project hatte einen der eindrucksvollsten Räume der d15 geschaffen. Bereits der Zugang durch einen Tunnel mit einer Klanginstallation in die mit Wellblechplatten verkleidete documenta-Halle versetzte die Besucher in die Lebenswirklichkeit der Künstler im Slum Mukuru. Für die Exponate in der Kunstschau verwendeten sie für ihr Umfeld typische Materialien, etwa in einer Readymade-Plastik abgenutzte Messer als besonderen Blickfang.

Für die Vergabe des ab 1980 ursprünglich jährlich verliehenen Bode-Preises an das Wajukuu Art Project spielte auch eine Rolle, dass die 2004 initiierte Organisation Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bietet, sich in einer durch Armut und Kriminalität geprägten Umwelt durch künstlerische Angebote zu entfalten und als Gemeinschaft zu entwickeln, wie Susanne Völker für das Kuratorium, an dessen Sitzung sie für den Stiftungsvorstand teilnimmt, hervorhob. Eine Filmdokumentation in der documenta-Halle machte deutlich, dass das Kollektiv seine Praxis trotz des sozialen Engagements aber nicht als sozialpädagogisch versteht, sondern mit einer zeitgenössischen Formsprache auch künstlerisch ambitionierte Maßstäbe setzen will. Die Devise allerdings ist „transform yourself into what you want to be – not necessarily an artist“. Sich also in den oder die zu verwandeln, wie man sein möchte, aber nicht unbedingt in einen Künstler.

Mit der Teilnahme an der documenta – und auch dem zu gleichen Teilen von der Kasseler Sparkasse und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen finanzierten Preisgeld – möchte das Wajukuu Art Project mit dem Nachhaltigkeitsprojekt „Killing Fear of the Unknown“ in Mukuru einen dauerhaften, kollektivbasierten Raum schaffen, in dem junge Teilnehmer in Holzwerkstätten angeleitet werden.

Der Bode-Preis wird seit 1987 alle zwei Jahre, aber obligatorisch in jedem documenta-Jahr verliehen. Zu den Preisträgern gehören etwa Gerhard Richter, Rebecca Horn, Thomas Schütte und Maria Eichhorn. 2021 wurde schon einmal ein documenta-Kollektiv geehrt: das Instituto de Artivismo Hannah Arendt (Instar) mit seiner Gründerin Tania Bruguera aus Kuba.

Blick in die documenta-Halle: Werke von Wajukuu bei der d15.
Blick in die documenta-Halle: Werke von Wajukuu bei der d15. © Malmus, Pia

Auch interessant

Kommentare