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Einen Champagner für das erste Album

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Von: Kirsten Ammermüller

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Kristin de Oliveira (links) und Claire Raiber sind das Chansonetten-Duo Pfeffer & Likör.
Ein Gläschen Champagner: Kristin de Oliveira (links) und Claire Raiber sind das Chansonetten-Duo Pfeffer & Likör. © Pfeffer&Likör/NH

„Chansonetten können nicht sterben“ ist das erste Album des Duos Pfeffer&Likör. Am Montag, 3. Oktober, präsentieren sie es auf Einladung des Theaterstübchens erstmals dem Publikum im Kasseler Schauspielhaus.

Kassel – Feste mit Champagner und dem unbedingten Willen, das Leben unbeschwert zu genießen: Die Goldenen Zwanziger sind sowohl berühmt als auch berüchtigt. Und heute, ein Jahrhundert später, fasziniert der Rausch aus Schaumwein, langen Zigarettenspitzen, Federboas und einem eindeutig zweideutigen Humor immer noch. Ein wunderbares Beispiel, wie sich der Zeitgeist weiterträgt, ist das Kasseler Chansonetten-Duo Pfeffer und Likör, mit dem die Pianistinnen und Sängerinnen Claire Raiber und Kristin de Oliveira seit 2011 mit scharfem Humor und süßem Charme das Publikum verzaubern.

Dabei scheint der Titel wie ein trotziges Statement auf die Schwierigkeiten für Kulturschaffende während Lockdown und der Absage nahezu aller Konzerte. „Corona hat uns schwer zugesetzt“, erzählen die beiden Musikerinnen. Doch sie ließen sich nicht unterkriegen, nutzten die Zeit, um ihr Album zu produzieren. Und das kann sich wirklich hören lassen. Auf insgesamt neun Stücken schwelgen sie genussvoll im vollen Leben. Dass dabei nicht immer alles so ganz mit rechten Dingen zugeht, ist genau ihr Thema. „Wir wollen nicht korrekt sein“, verraten die Chansonetten, lieber mal aus der Reihe tanzen, um sich dann selbst auf die Schippe zu nehmen. „Tabus sind dazu da, um darüber zu lachen“, meinen sie augenzwinkernd. Das gelingt ihnen hervorragend in Texten wie „Ich gäb’ dir alles was ich bin, vor allem meinen Körper hin“ in dem Lied „Augenstern“ oder „Früher gab’s Gemecker wegen meiner vielen Schuh, heute kauf ich wöchentlich und du lässt mich in Ruh“ in dem Stück „Seit du tot bist“. All das verpacken Raiber und de Oliveira in eingängige Melodien zu einer lockeren Klavierbegleitung. Mal zart perlend wie der Schaumwein selbst, mal melancholisch und dann mit voller Wucht stampfender Akkorde.

Wem bei Texten und Musik Georg Kreisler oder Hildegard Knef in den Sinn kommt, der liegt genau richtig. De Oliveira und Raiber haben sich von den beiden in den 1920ern geborenen Künstlern inspirieren lassen. Ihr Bühnenprogramm gestalten sie mit einer Mischung aus eigenen Liedern und Werken von Kreisler und Knef. „Wir haben immer eine Antwort von Kreisler oder Knef auf unsere eigenen Songs gefunden“, erzählen sie.

Nun soll es also endlich wieder einen Neustart für die beiden Chansonetten in Sachen Live-Auftritten geben. Und das wollen sie gebührend feiern. Wünsche haben sie dafür auch: „Wir brauchen keine Million, wir brauchen das Publikum!“

Pfeffer & Likör, Montag, 19.30 Uhr Schauspielhaus, Karten: staatstheater.de

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