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Kasseler Dokfest: Rekord bei Besucherzahlen - Preisgala in der Weinkirche

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Preisträger: Jan Peters (von links), Franziska Wank, Nanna Katrine Hansen, Markus Fiedler sowie Ben Voit. 

In der Weinkirche wurden die hoch dotierten Preise des Dokfestes vergeben - starke regionale Verankerung. 

16.000 Besucher an sechs Tagen, das ist das neue Rekordergebnis, mit dem das 36. Kasseler Dokfest gestern zu Ende gegangen ist. 3143 Arbeiten aus 135 Ländern waren eingereicht, 236 schließlich für das Festival ausgewählt worden. 74 davon stellten sich dem Urteil der Juroren, die am Samstag in der Kasseler Weinkirche die vier Festivalpreise vergaben. 

Nicht alle Preisträger konnten teilnehmen, und das hat einen eigentlich positiven Grund: „Unser Festival wird internationaler, Preisträger etwa aus China oder Kanada einfliegen zu lassen, ist einfach zu teuer“, erklärte Moderator Wieland Höhne, der immerhin Videobotschaften all jener Preisträger zeigte, welche nicht dabei sein konnten.

So auch von Kapwani Kiwanga, die den vom Kasseler Softwareunternehmen Micromata gestifteten Golden Cube samt 3500 Euro Preisgeld für die beste Installation der Ausstellung Monitoring erhielt. In ihrer Arbeit „The Secretary’s Suite“ stellt die Kanadierin laut Jury „durch eine exakte Analyse historischer Überlieferungen eine kritische Lesart von Bildern vor, um die Existenz von Vergangenheit in der Gegenwart zu beleuchten“.

Der von der Stadt Kassel ausgelobte Goldene Schlüssel wurde in zwei Kategorien vergeben – je 2500 Euro gab es für Regiearbeiten unter und über 65 Minuten. Die beeindruckendste Kurzfilm-Nachwuchsarbeit lieferten Markus Fiedler, Nanna Katrine Hansen, Thomas Elsted und Stanley Edwards mit „Cast Away Souls“, in deren Mittelpunkt ein Zentrum für Abschiebehaft in Dänemark steht. 

Im Bereich des Langfilms freuten sich die heute in Amerika lebenden Regisseurinnen Nanfu Wang und Jialing Zhang, die für ihren Film „One Child Nation“ in ihre einstige Heimat zurückgekehrt waren, um die verheerenden Folgen eines „Sozialexperiments“ zu erforschen, in dem China 1979 die landesweite Ein-Kind-Politik eingeführt hatte.

Auf die Straßen Berlins führt Ben Voits „Nacht Ueber Kepler 452b“, in dem der Filmemacher einen Kältebus begleitet, der all denen beisteht, die auf der Straße schlafen müssen. Die würdevolle Distanz, mit der Voit dies tut, war der Jury das Produktionsstipendium A38 wert, das von dem Werkleitz-Zentrum für Medienkunst und den Landesmedienanstalten Hessen und Sachsen-Anhalt vergeben wird und mit 8000 Euro in Sach- und Geldleistungen dotiert ist.

Der von der Kasseler Werbeagentur Machbar gestiftete Goldene Herkules (Preisgeld: 3500 Euro) kam Dank der Kreativköpfe diesmal im besonders jungen Gewand daher und spornt Preisträgerin und Festivalmacherin Franziska Wank künftig neben filmischen vielleicht auch zu sportlichen Hochleistungen an. 

Die Trophäe, ein mit goldfarbenem Herkules-Konterfei versehenes Skateboard, erhielt Wank für ihr dokumentarisches Essay „Sonntagmorgen“ als beste filmische Produktion aus Nordhessen, in dem die Protagonistin an ihrem Rückzugsort am Meer vom alltäglichen Nachrichtenstrom eingeholt wird.

Der Ehrenpreis des Dokfests und das von der Kasseler Firma Hübner gestiftete Preisgeld (3000 Euro) gingen an Filmemacher Jan Peters, der vor allem für sein Projekt „30 Jahre, aber den Sinn des Lebens habe ich immer noch nicht rausgefunden“ bekannt ist. Peters stammt aus Hannover und kam 2012 als Professor für Film und bewegtes Bild an die Kunsthochschule Kassel.

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